Seit mehr als vierzig Jahren saugt der Familienclan das kleine Land erbarmungslos aus, und niemand in Nicaragua will die Somozas mehr, weder linke noch rechte Parteien, weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber, weder Kirche, noch Intellektuelle. Seit eineinhalb Wochen tobt in der Bananenrepublik ein blutiger Bürgerkrieg, sein Ausgang ist nicht zweifelhaft. Gegen die Flugzeuge und Panzer der Nationalgarde haben die Aufständischen keine Chance, Mut und Wut ersetzen keine schweren Waffen. So fliehen sie über die Grenzen in die Nachbarländer mit dem Schwur,, eines Tages wiederzukommen.

Eineinhalb Wochen haben die nahen und fernen Nachbarn dem Kampf schweigend zugesehen, selbst dann geschwiegen, als das Regime der Somozas auf der Kippe stand, als ein barsches Wort – zum Beispiel aus Washington – die Waage zugunsten der Aufständischen hätte heben können. Erst spät rafften sich einige Staaten auf, Sympathie für die Somoza-Gegner zu bekunden, und ihr Haschen nach einem moralischen Alibi widert noch mehr an als die Beistandsbereitschaft der beunruhigten Diktatoren.

Sicher, die Organisation Amerikanischer Staaten hat die Souveränität ihrer Mitglieder auf ihre Fahne geschrieben. Darin sind sich Linke und Rechte, Demokraten und Diktatoren, im eigenen Interesse einig. Nur: Wieviel Solidarität muß man üben, wenn ein Somoza, ein Clan und 7500 Soldaten gegen zwei Millionen Bürger stehen? Wenn eine Invasion nicht in Frage kam, so hätten die Nachbarn doch Verhandlungen der streitenden Parteien erzwingen können und müssen. Dann hätten sie Blutvergießen vermieden, Wohl und Willen eines Volkes respektiert und ihr eigenes Ansehen gefördert. H. B.