Beachtlich

"Die letzte Flut" von Peter Weir. Eine unheimliche Begegnung der feuchten Art: Während über Sydney ein rätselhafter Dauerregen niedergeht, während überlaufende Badewannen und emsige Rasensprinkler den Eindruck totaler Nässe noch verstärken, läßt sich ein junger weißer Rechtsanwalt (Richard Chamberlain) widerwillig fasziniert auf die magische Welt der australischen Ureinwohner ein. Immer stärker verfällt er den grausamen Riten der Aborigines, dringt sogar in ihre unterirdische Kultstätte vor, bis eine gewaltige Springflut dem okkulten Treiben ein jähes Ende bereitet. Schon mit "Picknick at Hanging Rock" hatte sich Peter Weir, Jahrgang 1944, als einer der begabtesten Regisseure des neuen australischen Kinos erwiesen: eine Reputation, die "The Last Wave" immerhin partiell bestätigt; Weirs mystischer Thriller, der ein wenn an Nicolas Roegs Meisterwerk "Don’t Look Now" (Wenn die Gondeln Trauer tragen) erinnert, besitzt durchgängig eine sehr schöne Atmosphäre untergründigen Terrors, die der Regisseur allerdings-gelegentlich durch allzu banale Horroreffekte zu zerstören droht Über die Kultur der Aborigines erfährt man mehr in den halbdokumentarischen Rekonstruktionen von Michael Edols ("Lalai Dreamtime" und "Floating"). Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

"Der tödliche Schwarm" von Irwin Allen. Afrikanische Killerbienen, attackieren eine Raketenbasis in Texas und dezimieren die Bevölkerung einer Kleinstadt. Sie beenden dabei abrupt eine unentschlossene Winter-Romanze (Olivia de Havilland zwischen Fred MacMurray und Ben Johnson) und sorgen zum Ausgleich für eine Sommer-Romanze zwischen zwei Wissenschaftlern (Michael Caine, Katharine Ross). Die Tricks sind erbärmlich schlecht: eine Eisenbahnkatastrophe, die Explosion eines Kernkraftwerks, die Einäscherung von Houston/Texas spielen sich im Modellbaukasten ab. Die Bienen erscheinen als dunkle Wolken am Himmel in dürftiger Doppelbelichtung, kleben als kleine braune Punkte an Fenster- und Windschutzscheiben oder werden vehement durch einen Windkanal geblasen. In Millionenstärke zwar, doch eindeutig unterlegen gegenüber einem Massenaufgebot an Hollywood-Veteranen: neben den bereits Genannten noch Richard Widmark, Henry Fonda, José Ferrer, Bradford Dillman, Slim Pickens, Richard Chamberlain, Lee Grant. Es scheint, daß Katastrophenfilm-Spezialist Irwin Allen, Produzent von "Die Höllenfahrt der Poseidon" und "Flammendes Inferno", sein Millionenbudget fürs Starensemble verbrauchte. Für die Spezialeffekte blieb jedenfalls allzu wenig übrig.

Helmut W. Banz

Unsäglich

"Das Einhorn", von Peter Patzak. Die Story blieb getreulich erhalten – sollte also schon Martin Walsers Roman von 1966 so trostlos gewesen sein wie dieses Schlafmittel von einem Film, das vorgibt, seine Kinofassung darzustellen? Nein, das war er jedenfalls nicht Der Roman war ein Buch über einen Fall von Unruhe in der Zivilisation, von vorwiegend amouröser Unruhe, vorgetragen in Walsers beunruhigter, wütiger, besessener Sprache. Von der Sprache behält der Film ein paar Zitate übrig (und die Deklamation literarischer Sätze garantiert bei Literaturverfilmungen noch für gar nichts); seine Bildersprache ist von elegisch schleichender Betulichkeit. Vollends versagt der Film aber bei dem Versuch, sich diesen von Satz zu Satz, von Beobachtung zu Beobachtung, von Affäre zu Affäre und dann gar von den Affären zur Liebe schnellenden Anselm Kristlein zu vergegenwärtigen. Peter Vogel spielt ihn als eine Trantüte, einen Phlegmatiker von Graden, in den sich geheimnisvollerweise eine Frau nach der anderen vergafft, so daß er widerstrebend von einem Abenteuer in das nächste gepufft wird. Weder seine intellektuelle noch seine erotische Nervosität ist diesem leibhaftigen Passiv, dieser wandelnden Vakanz auch nur eine Minute lang zu glauben, und mit dieser Fehlbesetzung im Zentrum nimmt sich die ganze Handlung aus wie ein einziges absurdes Mißverständnis. Dieter E. Zimmer