In den „Gesprächen am Bankschalter“ vom 8. September 1978 wurde dargelegt, warum dividendenlose Aktien beliebt geworden sind. Wer sich für diese Papiere interessiert, rechnet mit Kursgewinnen, die unter gewissen Voraussetzungen steuerfrei bleiben. Diese Tendenz ist durch die Körperschaftsteuer-Reform forciert worden. Sie macht das Verschweigen von Dividendeneinnahmen zu einem zweifelhaften Vergnügen. Der gegenüber dem Finanzamt „Vergeßliche“ muß sich neuerdings einen Abzug von 52 Prozent bei Dividendeneinnahmen gefallen lassen. Bislang waren: es nur 25 Prozent.

Nicht jedes dividendenlose Papier ist auch gewinnträchtig. Erinnern wir uns, meine verehrten Leser, an. die sogenannten Großbanken-„Reste“, also an jene Papiere, welche die früheren Großbanken repräsentieren. Heute besteht der Wert dieser Restquoten eigentlich nur noch aus den Ansprüchen auf die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten und in der DDR enteignete Vermögenssubstanz der Institute.

Für die Restquoten war 1977 ein großes Jahr. Die „Reste“ der Commerzbank stiegen von 1,20 auf 15 Mark (Jahreshöchstkurs 31 Mark), der Deutschen Bank von 1,45 auf 12,50 (Höchstkurs 24 Mark) und der Dresdner Bank sogar von 1,45 auf 31 Mark (Höchstkurs 50 Mark). Im günstigsten Fall konnte man also an den Dresdner Bank-„Resten“ über 3300 Prozent verdienen!

Inzwischen ist es um diese Papiere still geworden. Es hat sich herausgestellt, daß alle spekulativen Erwartungen, die an diese Papiere geknüpft worden waren, keinerlei Grundlage hatten. Dennoch sind die Kurse der Restquoten bislang erstaunlich stabil geblieben. Die der Dresdner Bank haben sich sogar noch leicht auf 34 Mark wieder erholt. Hier hat der ehemalige Bremer Holzkaufmann Hermann Krages seine Finger im Spiel. Er besitzt über eine zwischengeschaltete Gesellschaft mehr als ein Viertel der Dresdner Bank-Reste und scheint damit die Absicht zu verfolgen, die Dresdner Bank zur Übernahme seines Paketes zwingen zu wollen. Bisher jedoch vergeblich.

Einen besseren Hintergrund haben zweifellos die dividendenlosen Aktien von Hoesch und Klöckner. Sie repräsentieren wenigstens intakte Unternehmen. Allerdings bilanzieren beide Unternehmen in roten Zahlen.

Mit knapp 50 Mark für die 50-Mark-Aktie notiert Hoesch zumindest optisch billig. Seit Jahresbeginn ist der Kurs immerhin um rund 16 Prozent gestiegen, ein Gewinn, der jetzt bereits steuerfrei vereinnahmt werden kann. Sicherlich kein schlechtes Geschäft. Gegenwärtig liegt die Hoesch-Notiz in unmittelbarer Nähe ihres bisherigen Jahreshöchstkurses.

Hat sie Chancen, noch weiter zu steigen? Das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt meint das, wenn es schreibt: „Günstig sind die Aussichten für das kommende Jahr zu beurteilen, wenn die verbesserte Stahlsituation nicht nur das Ergebnis administrativer Maßnahmen ist (Importrestriktionen, Mindestpreise), sondern zusätzlich dazu die Nachfrage konjunkturbedingt in die nach wie vor reichlichen Kapazitäten hineinwächst. Erst dann kann man die Krise als nachhaltig überwunden ansehen. Dann ist auch die Wiederaufnahme einer Dividendenzahlung zu erwarten. Unter diesem Aspekt kann die Aktie weiterhin mit einem spekulativen Moment empfohlen werden.“ Für das laufende Jahr ist die Zahlung einer Dividende bereits ausgeschlossen worden.