Das wäre was, wenn an der Ost- und Nordseeküste rauf und runter in Schleswig-Holstein endlich die Kurtaxe abgeschafft würde. Die SPD will es tun. In ihrem Programm hat sie es versprochen. Im nördlichsten Bundesland jedoch regiert die CDU, deren Innenminister Titzck beispielsweise gegen die Erhebung einer Zweitwohnungssteuer ist, aber an der Kurtaxe nun einmal hängt. So war den Sozialdemokraten bislang nicht vergönnt, ihr Versprechen auch einlösen zu können.

In dieser Saison wurden 25 000 Karten verteilt an Ost- und Nordseeurlauber. Postkarten mit Rückantwort und diesem Vordruck: "Ich halte die Abschaffung der Kurtaxe für unbedingt notwendig / wünschenswert / nicht dringend erforderlich / wenig wichtig." Und dazu "freundliche Urlaubsgrüße" von Oppositionsführer Klaus Matthiesen, der meint: "Die Kurtaxe muß weg! Sie ist familienfeindlich und auch ungerecht. Denn jeder muß, unabhängig von seinem Geldbeutel, dort baden können, wo es ihm gut gefällt." Das ist wahr: Je größer die Urlaubsfamilie, je niedriger ist meist ihr sozialer Status, desto höher fällt für sie die Kurtaxe aus.

Es kann also nicht nur schieres Wahlkampfgeklingel sein und auch keine "böswillige und demagogische Kampagne gegen unseren Fremdenverkehr und unser Ferienland", wie Rolf Olderog, stellvertretender CDU-Fraktionschef, die SPD-Aktion schimpft.

Schwerpunktmäßig schwärmten die Genossen von der Basis in Scharbeutz und Westerland aus, in Wyk auf Föhr, in Büsum, Heiligenhafen, Husum und Tönning. 800 Karten kamen zurück, davon waren 85 Prozent ein Votum gegen die Kurtaxe. Mit dem Echo – drei Prozent – ist Frau Rohwer, Pressesprecherin der SPD in Schleswig-Holstein, ganz zufrieden. "Wenn auf Bundesebene bei einer Erhebung 2000 als repräsentativ gelten, sind 800 für ein Bundesland schon ganz beachtlich."

Die da per Antwortkarte den nördlichen Sozialdemokraten aufmunternd zustimmten, haben ihren Wohnsitz in Berlin, in Essen oder Dortmund, in Gelsenkirchen, Salzgitter und Lüneburg, Kelkheim oder Hamburg. Auch wenn sie es der Kurtaxe wegen am liebsten machen würden, könnten sie rein wahltechnisch den SPD-Spitzenkandidaten im April 1979 nicht auf die Kieler Regierungsbank heben.

Von "Strandräuberei" schrieben die Urlauber und von "Wucher". Für drei Erwachsene und zwei Kinder hatte ein Familienvater aus Essen rund 200 Mark Kurtaxe zahlen müssen, wobei An- und Abreisetag der drei Wochen Ferien voll berechnet wurden.

Keine Zäune in Dänemark