Von Bazon Brock

Sammy Davis Jun. habe einmal sich mit einem öffentlichen Verkehrsmittel transportieren lassen. Ihm gegenüber habe ein Fahrgast die neueste Ausgabe der Jüdischen Chronik" gelesen, versunken ins Gedruckte, aber doch zwischendrin über den Rand des Blattes hinweg reagierend aufs Geschehene um ihn herum, wie das beim Lesen in öffentlichen Verkehrsmitteln eben vorkommt. Der lesende Mitfahrende habe Davis zunächst mit absichtslos schweifendem Blick erfaßt, dann plötzlich, als habe er ihn erkannt, zurückgeblättert in der "jüdischen Chronik", prüfend und sich versichernd nochmals die Mitteilungen über jüngst zum Judentum Konvertierte gelesen, und habe dann, mild irritiert, zu Davis gesagt: "Neger allein genügt Ihnen wohl nicht!"

Rezensionen der Werke Breitbachs sind etwas-Besonderes: Sie sind rar, und es wird in ihnen des öfteren mit Nachdruck mitgeteilt, daß Breitbach vermögend sei. Warum das?

Gibt et keine anderen vermögenden Autoren – oder soll darauf verwiesen werden, daß Breitbach über ein Vermögen verfügt, welches er nicht durch Schriftstellertätigkeit erworben hat? Und warum ist das so mit Nachdruck hervorzuheben, noch dazu mit kaum unterdrücktem hämischem Ton.

Dürfen Dichter nicht vermögend sein?

Zwei "Erklärungen" dieser Merkwürdigkeit liegen auf der Hand: Entweder will dem Herrn Rezensenten nicht in den Kopf, warum denn der Breitbach noch schreibt oder überhaupt schreibt, wenn er das doch gar nicht nötig habe. Oder der Genosse Textproduzent bekundet seine Auffassung, nur der dürfe schreiben, der ein armer Hund ist und sich hilfsarbeitend der Misere des Lebens aussetzt. Darf nicht dichten, wer übers Existenzminimum hinausgekommen ist?

Man weiß ja, zuletzt aus Erfahrung mit sich selber, daß Geld korrumpiert, nicht wahr? Daß die ökonomischen Bedingungen einer Existenz deren Interessen bestimmen, den Blick lenken und die Hand führen. Das kann wohl so, das wird wohl so sein. Aber dann bliebe doch zu fragen, wie bewertet man jene Einschränkungen des Blicks und jene Ausrichtung des Interesses, die dem armen Literaten seine ökonomische Lage aufzwingt. Auch er ist bloß beschränkt. Not macht ja nicht gerade frei. Immerhin: Warum soll nicht eine Dreitausendmarkmonatsnettoexistenz sich zumindest für andere Dreitausender literarisch. äußern. Der Breitbach schriebe dann, für die Vermögenden, die armen Poeten schrieben für die Armen. Das Vertrackte daran ist wohl, daß manch Reicher die armen Poeten lesen möchte, um zu wissen, was ihm erspart geblieben. Und daß manch Armer den Breitbach läse, um zu wissen, was ihm vorenthalten wird.