Es war von einer Studentin zu lesen, welche die Pille nicht vertrug. Sie ging zu einem Schaumverfahren über, das in meiner Lektüre minuziös beschrieben wurde und, wie die Herstellerfirma versichert hatte, genau so sicher sei wie die Pille. Aber ist die Firma versichert?

Jedenfalls lebt die Studentin momentan in der düsteren Erwartung eines Kindes. Und nach ihren eigenen Worten steht fest: Während das schaumgeborene kleine Wesen mit seiner unsterblichen Seele vermutlich im Dezember der Sonne und dem Leben entgegenstrahlt, wie Runge dies in seinem wunderbaren Gemälde "Der Morgen" dargestellt hat, wird die Studentin-Mutter die Firma verklagen, die den Verhütungsschaum auf den Markt geworfen hat. Wäre die Studentin gegen Unfälle aller Art versichert, zum Beispiel auch gegen die Folge anonymer Sexhandlungen, wäre sie also sozusagen kasko-versichert, dann gäbe es wohl diese Aufregung nicht. Hoffen wir also, daß die Firma versichert ist, die womöglich den Prozeß verliert, und wenden wir uns dem Kinde und seiner Mutter zu.

Wenn die Versicherung der Firma etwa glauben sollte, mit der Zahlung der Entbindungskosten seien ihre Verbindlichkeiten abgedeckt, so dürfte sie sich irren. Das Kind muß eines Tages in den Kindergarten: Die Versicherung hat zu zahlen für ein Lätzchen, für Buntstifte und dergleichen, später für die dicke Kerze zur Kommunion oder die Bibel zur Konfirmation. In jedem Falle braucht das Kind für die Zeit seiner höheren Bildung bis zum Abitur einen Privatlehrer und die Mutter einen Psychoanalytiker, wenn nicht gar einen Psychiater. Und die Versicherung hat auch dies zu zahlen. Denn es ist ganz klar, daß die beiden ihren inneren Konflikt nicht ohne fremde Hilfe lösen können.

Das Kind, dessen Erscheinen eine Katastrophe war – in den Augen der Mutter und der Direktoren der Firma –, muß es ja schwer haben, die Mutter als Schenkerin seines Lebens zu ehren. Sollten ihm so kindliche Gefühle kommen, so müßte es sie abreagieren, indem es zu seinen Geburtstagen einen Dankesbrief an die Fabrik des Verhütungsschaumes richtet. Seine Mutter nun wieder darf ihr Kind nicht lieben, weil sie ja als Schaumgeschädigte leidet, sich wehren und prozessieren muß. Und Versicherungsprozesse – das weiß man aus Erfahrung – dauern lange.

Wenn dann ein Rat erwünscht ist, so könnte es dieser sein: Die Studentin sattelt für den Fall, daß sie noch nicht Jura studiert, sondern eine schöngeistige Disziplin oder Pädagogik, unverzüglich um: Sie muß Juristin werden; sonst kommt sie mit Firma und Versicherung nicht durch. Das Kind aber sollte, welchen Geschlechts es auch sei, möglichst früh auf den Beruf eines Biologen oder Chemikers vorbereitet werden, am besten auf beides. Der Mensch, dessen Geburt ein Unfall war, könnte, nachdem er zu Rang und Ehren gekommen und die seelischen Konflikte auf Kosten der Versicherung überwunden wären, sagen: "Für mich war schon vorgeburtlich die biologische Chemie das Schicksal."