Von Aloys Behler

Der Kaiser kam auf Stippvisite. Franz Beckenbauer, der uns vor Jahresfrist verlorenging; kehrte für ein paar Spiele zurück ins Land seiner Trainer. Das Fußballvolk hatte endlich Gelegenheit, aus der Nähe zu sehen, wie sich des Kaisers neue Kleider machen, von deren glänzendem Zuschnitt so viel über den großen Teich berichtet worden war. Beschönigen wir es nicht: Die Fußball-Modenschau aus der Neuen Welt war dürftig, und Franz, unser aller Kaiser, erschien uns ziemlich nackt und bloß. Mit einem Wort: Cosmos – ein Märchen.

Keiner kann sich beklagen. Es stand ausdrücklich und unübersehbar auf den Eintrittskarten: "Weil (hier folgt die Markenbezeichnung einer kosmetischen Duftnote für den Herrn) und ich die besten Freunde sind, bin ich heute mit meiner Mannschaft in München." Gezeichnet Franz Beckenbauer.

Eine zerstörte Legende

Darum also! Dem das "Superspiel" präsentierenden, als Sponsor mitkickenden Duftwasserkonzern gebührt Dank für so viel unverhüllte Wahrheit in der Werbebotschaft. So brauchten die 77 000 Augenzeugen des internationalen Freundschaftsspiels zwischen dem Fußballclub Bayern München und Cosmos New York, letzteres wohl auch eine Art Fußballclub, am Ende einer peinlichen Vorstellung, das teure Ticket vor Augen, nicht länger über dem Rätsel zu grübeln, welcher Teufel wohl Kaiser und Co. ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt und in dieser Verfassung nach München geritten haben mochte.

Cosmos, ein Unter-Unternehmen von Warner Communications, einem Giganten der Film- und Unterhaltungsindustrie, hat seine aus Millionen-Einkäufen addierte Startruppe auf Tournee nach Europa geschickt, damit die Herren Fußballer wieder ein bißchen einspielen von dem, was sie gekostet haben. Nicht daß sie es nötig hätten – den Cosmos-Managern mag es an manchem fehlen, an Geld gewiß nicht. Aber Fußball spielt man nun einmal nicht zum bloßen Vergnügen, bei uns nicht und erst recht nicht in Amerika.

Wie auch immer: Nach Jahren der Vorbereitung, nach immensen Investitionen und unbestreitbaren Erfolgen im eigenen Lande fühlten die leitenden Herren des Klubs aus der Retorte sich stark genug, die Kraftprobe mit dem Fußball im alten Europa zu wagen. "Wir sind", so befand Ahmet Ertegun, leidenschaftlicher Soccer-Fan und Cosmos-Präsident, im Frühjahr, "nun etwa auf einer Stufe mit Juventus Turin oder Bayern München."