Von Alexander Rost

Den Ehrgeiz in Selbstironie gefaßt, verballhornte Berend Beilken, einer der besten Skipper der Welt, an der Unterweser zu Hause, den Spruch der alten Friesen, die lieber tot als Sklave sein wollten, zu seinem Regatta-Motto: „Lieber tot als Bronze!“ 36 Yachten (mit je sieben Mann Besatzung) aus 13 Nationen starteten dann in Glücksburg an der Flensburger Förde zum Weltmeisterschaftswettbewerb um den One Ton Cup, den Eintonner-Pokal; und Berend Beilken ist noch am Leben.

Er steuerte die „Bremen“ auf den gleichsam silbernen zweiten Platz in der Gesamtwertung von vier Wettfahrten. Den One Ton Cup aber, die seit 1898 umstrittene, dreißig Flaschen Sekt fassende Trophäe, die an Stelle irgendwelchen Goldes zu gewinnen war, erhielt die Flensburger „Tilsalg“, geführt von Klaus Lange, dem Prokuristen einer Maschinenbaufirma in Flensburg.

Zu seiner Crew gehörten ein Oberstudienrat, ein Kinderarzt, ein Volkswirt, ein Student, ein Kaufmann und ein Lehrer. Den Bau des Schiffes hatte eine eigens zu diesem Zweck gegründete „Leistungsboot GmbH.“ finanziert, eine Gesellschaft Flensburger Regattasegler. Was mit der siegreichen Yacht jetzt geschehen soll, signalisiert schon ihr Name: „Tilsalg“, dänisch, heißt „Zum Verkauf“. Mit dem One-Ton-Cup-Erfolgsausweis wird es kaum Schwierigkeiten bereiten, einen potenten Kunden zu finden.

Mit der „Bremen“, finanziert von einer „Bremer Allianz“, an der neben Wirtschaftsunternehmen sich auch der Stadtstaat beteiligte, ist das schon gelungen. Sie wird künftig auf dem Bodensee segeln. Rennyachten dieser Art sind übrigens bei weitem nicht so teuer, wie laienhafter Küstenklatsch es zuweilen behauptet. Sie kosten knapp zweihunderttausend Mark. Kostspielig ist ihre Technologie. Doch von dem, was man unter Luxus versteht, findet man an Bord keine Spur. Die Inneneinrichtung ist spartanisch karg, ein Klo und ein paar einfache Liegen. Auch in der längsten der vier Wettfahrten, über 300 Seemeilen (eine Seemeile gleich 1852 Meter), zwei Nächte hindurch, wurde so gut wie gar nicht geschlafen.

Solche Rennyachten sollen siegen und den hohen Leistungstandard von Yachthandwerk und -industrie belegen. Etwa die Hälfte aller Skipper, die um den One Ton Cup kämpften, sind denn auch der Segelei beruflich verbunden, als Werftunternehmer, Geschäftsleute, Segelmacher. Für Berend Beilken etwa war es mehr als nur ein Trost in der knappen Niederlage, daß auch das Siegerschiff „Beilken“-Segel geführt hat. Für die seglerweltberühmte Bremer Segelmacherei hatte die Regatta mithin keinen geringen Werbe- und PR-Wert. Und das ist nur ein Beispiel unter vielen.

Neben den speziell für den Wettbewerb konstruierten Yachten nahmen auch einige Serienschiffe an der One-Ton-Cup-Regatta teil. Sie sind wohnlich eingerichtet, also auch zum Fahrtensegeln geeignet. Im Rennen wirkten sie wie Sportwagen, die mit Formel-I-Wagen konkurrieren wollen. Den Royal Torbay Cup, die Auszeichnung für das beste Serienboot, erhielt die französische „Max“ (Typ „High Tension“); sie war 13. in der Gesamtwertung.