Mit Sicherheit wird der überraschende Tod des achtzigjährigen Altmeisters der deutschen Luftfahrtindustrie, Professor Willy Messerschmitt, das "Beteiligungskarussell" bei der Messerschinitt-Bölkow-Blohm-GmbH in Bewegung setzen. Messerschmitt hatte zuletzt 16,3 Prozent des Stammkapitals von 85 Millionen Mark bei MBB. Doch auf 2,9 Prozent davon hat Messerschmitts berühmtester Schüler, Ludwig Bölkow, der seinerseits noch über 1,2 Prozent des MBB-Kapitals verfügt, eine Option. Diese wird nach dem Tod Messerschmitts nun wirksam, und der frühere Firmenchef kann dabei ein gutes Geschäft machen, denn es gibt zahlreiche Interessenten.

Messerschmitts Erben können also nur über 13,4 Prozent der Anteile frei verfügen, die nach dem Testament des Professors in eine schon längst gegründete Stiftung eingebracht werden sollen.

Die Stiftung soll künftig ein gewichtiges Wort zwischen Industrie und öffentlichen Händen mitsprechen. Eine Schlüsselposition hat dabei Messerschmitts Hausbankier und Vertrauter, Hans Heinrich Ritter von Srbik, Senior-Partner der Münchner Privatbank Aufhäuser, deren Mehrheit bei der Bayerischen Landesbank liegt. Srbik hat erst kürzlich verlauten lassen, daß seiner Ansicht nach das Messerschmitt-Paket weder einseitig im Sinne der Indüstriegesellschafter (Siemens mit gegenwärtig zusammen 37,5 Prozent, Thyssen, französische SNIAC) noch der öffentlichen Hände (Bayern 22,1; Hamburg 20,5 Prozent) eingesetzt werden solle. Man muß abwarten, wie weit Messerschmitts "Erbmasse" bei MBB zu einem Zünglein an der Waage werden kann.

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Marlboro auf den Spuren von Camel. Am deutschen Zigarettenmarkt ist die Spitzenmarke von Philip Morris zwar unangefochten Nummer drei, Camel von Reynolds "nur" auf Platz acht. Doch was das werbliche Umfeld betrifft, ist Camel vorn. Die Camel-Kollektion, gemeinsam mit dem Stuttgarter Bekleidungsunternehmen R. & A. Becker entwickelt, hat als hochwertige Herren-Freizeitkleidung bereits einen Namen.

Nun sollen die Herren auch im Mariboro-Look wandeln. Die Idee, so ist bei Philip Morris in München zu hören, kommt allerdings vom Hersteller, dem Mailänder Modemacher und Ex-Formel-1-Rennfaher Andrea de Adamich. Philip Morris liefert sein Marlboro-Signet und kasslert Lizenzgebühren, mehr nicht. Die Marlboro-Kollektion umfaßt den gesamten männlichen Freizeitbereich, von Tenniszeug über Bade- und Jagdbekleidung bis zu aktueller Lässigmode. Zu kaufen ist die Marlboro-Kluft erst kommendes Frühjahr, in den feineren Läden, versteht sich. Den Nutzen wollen beide Firmen davon haben: Der Modemacher zehrt vom Prestige der Zigarettenmarke, und die Zigarette bekommt einen neuen Werbeimpuls – wenn die Verbraucher mitmachen.

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