Der Kampf um den Kölner Versicherungs-Konzern Gerling / Rainer Frenkel und Rudolf Herlt

Seit Anfang dieser Woche leben zwei Männer, die man – völlig wertfrei – Kapitalisten nennen darf, in offener Fehde. Unter Wasser beschießen, sie sich schon seit Monaten. Doch gesellschaftlicher Umgang, Gespräche waren immer noch möglich. Nun reden nur noch die Anwälte miteinander. Die zwei, Hans Gerling und Flicks Topmanager Eberhard von Brauchitsch, versuchen jetzt, den Gegner durch Klagen mürbe zu machen.

Der eine, Gerling, kämpft dafür, daß der Versicherungskonzern, der ihm einst ganz gehörte und Seinen Namen trägt, nicht von einem andern beherrscht wird. Der andere, kämpft um eben diese unternehmerische Herrschaft und für die steuerfreie Wiederanlage von rund 120 Millionen Mark, eines Bruchteils des Zwei-Milliarden-Betrages, den Flick durch den Verkauf eines Daimler-Benz-Pakets auf die Hand bekam.

Das entscheidende Prozent

Hinter all der juristischen Spiegelfechterei geht es bei Licht betrachtet um ein ganzes Prozent. Ein Prozent, das Flick – über eine Holding – am Gerling-Konzern nach Hans Gerlings Geschmack zu viel hat und das Gerling selbst zu wenig hat. Denn dieses Prozent bringt die Herrschaft. Und Gerling hat eben nur 49, die von Flick dominierte Holding aber wird nach der Übertragung eines Aktienpakets 51 Prozent der Anteile haben.

Ein Blick zurück, zum Verständnis: Am 20. November 1974 wurden Verträge unterschrieben, die das unrühmliche Ende der nach Devisenspekulationen zusammengebrochenen Herstatt-Bank ein wenig rühmlicher machten. Hans Gerling, Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des havarierten Instituts, zahlte – ohne gesetzliche Verpflichtung, aber zur Rettung seines Rufes und des Ansehens der Unternehmer überhaupt – 200 Millionen Mark in einen Hilfsfonds für die Geschädigten, um einen außergerichtlichen Vergleich zu ermöglichen. Diese Summe konnte er damals nur durch den Verkauf von Teilen seiner Versicherungsgruppe aufbringen.

Ein Bankenkonsortium war bereit, genau fünfzig Prozent zu übernehmen. Gerling war’s zufrieden. Die Verträge wurden geschlossen, notariell beurkundet. Doch, mit einemmal kam er auf andere Gedanken: Ohne Rücksicht auf die Unterschriften gab er lieber 25,1 Prozent an die Zürich-Versicherungsgruppe, sowie eine Option auf weitere 25,9 Prozent, zusammen 51 Prozent, worauf die Zürich-Gruppe bestand. Woher der für ihn selbst so folgenschwere Sinneswandel rührte, wurde nie klar. Den abgeblitzten Banken aber war der Korb gerade recht; sie hätten das Geschäft ohnehin nicht aus eigenem Antrieb gemacht.