Urlaub und Reise sind im deutschen Sprachgebrauch fast schon Synonyme. Doch obwohl man Urlaub haben muß, um verreisen zu können, verreist noch lange nicht jeder, der tatsächlich Urlaub hat.

Im letzten Jahr haben 21 Millionen erwachsene Bundesbürger keine Urlaubsreise unternommen. Das errechnete der Studienkreis für Tourismus in Starnberg in seiner jetzt erschienenen Reiseanalyse 1977. Elf Millionen der Daheimgebliebenen arbeiteten durch, davon rund zwei Millionen Arbeitnehmer, die den gesetzlich vorgeschriebenen Jahresurlaub am Arbeitsplatz opferten und dafür ein Extra-Gehalt kassierten. Die anderen zehn Millionen waren Balkonurlauber.

Auf Reisen vertreiben sich Arbeiter und leitende Angestellte, Bayern und Bremer gleichermaßen mit Spaziergängen, Ausflügen und Ruhe zwischen Strand und Bett die Zeit. Dagegen unterscheiden sich beim Urlaub daheim die sozialen und geographischen Gruppen sehr stark voneinander. Akademiker sind zum Beispiel viel aktiver als Volksschüler.

Durch alle sozialen Gruppen gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Landsmannschaften. Die Nordrhein-Westfalen gaben zum Beispiel 20 Prozent mehr Urlaubsbeschäftigüngen zu Hause an als die Bayern. Und ein Vergleich seit 1970 zeigt, daß man im bevölkerungsreichsten Bundesland immer freizeitaktiver geworden ist, in Bayern nicht.

Die Reiseanalyse beweist, daß sich die Mobilität der Umgebung auch auf das Freizeitverhalten der Daheimgebliebenen auswirkt. So weisen die Bayern im Bundesdurchschnitt die wenigsten Reisenden und die meisten Durcharbeitenden aus, während zwischen Rhein und Weser proportional die meisten Bewohner in den Ferien wegfahren. Hd. H.