Erzbischof Bruno von Köln legte vor 1000 Jahren den Grundstein. Der Kirchenfürst ließ im Tal der Neger eine Kapelle errichten, die dem späteren Dorf den Namen gab: Brunonis capella, das heutige Brunskappel.

Ob das 1025 Jahre alte Dorf allerdings das nächste Jahrtausend erlebt, ist fraglich. Der Ruhrtalsperrenverein (RTV) in Essen, zuständig für die Wasserversorgung im Ruhrgebiet, will im Raum Brunskappel eine Talsperre errichten, Fassungsvermögen 44,5 Millionen Kubikmeter und 275 Millionen Mark teuer.

Seit diese Nachricht 1974 erstmals ruchbar wurde, laufen die Brunskappeler Sturm gegen das Projekt und wehren sich dagegen, daß Nachrufe auf ihr Dorf geschrieben werden. Als "Anwältin der Heimat" versteht sich Anneliese Mühlenbernd. Die 69jährige ("Ich bin im Jahrhundert der Grausamkeit geboren") kämpft an vorderster Front gegen die drohende Umsiedlung. "Die können uns doch nicht wie tote Gegenstände verfrachten oder wie eine Hammelherde durch die Gegend treiben."

Wenn die Streiterin wider die Talsperre das politische Sagen hätte, würden die im Jahre 953 von Otto I. gegründete Kirche, das Schloß Schäfer-Wildenburg und die über 200 Jahre alten Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz gestellt werden. Unermüdlich schreibt sie Briefe und Bittschriften, denn sie vermag nicht einzusehen, warum das Talsperrenprojekt weitgehend hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Und von dem neuen Standort für Brunskappel, dem Bornstein, ein Hügel zwischen dem jetzigen Dorf und der Nachbargemeinde Wiemeringhausen, hält sie schon gar nichts: "Das ist eine Windecke mit kargem Boden. 30 Zentimeter Erde, und dann kommt der Fels."

Günter Körner, CDU-Ratsherr in der Stadt Olsberg und seit der Eingemeindung Brunskappels im Jahre 1974 auch Ortsvorsteher des Sauerlanddorfes, weiß, daß ihm der Ruf vorauseilt, "sich mit dem neuen Ort ein Denkmal setzen zu wollen". Auch er sei gegen die Talsperre, versucht er den Vorwurf zu entkräften. Aber man müsse sich den Gegebenheiten beugen. Der Ruhrtalsperrenverein habe die gesetzliche Aufgabe, "das der Ruhr schädlich entzogene Wasser zu ersetzen damit das Ruhrgebiet, und zwar das ganze Gebiet der Ruhr von der Quelle bis zur Mündung, ausreichend mit Trink- und Brauchwasser versorgt werden könne. "Und in diesem Einzugsbereich leben sechs Millionen Menschen."

Dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Umweltschutz Brunskappel, Engelbert Körner, ("Ich bin mit ihm weder verwandt noch verschwägert") wirft Günter Körner vor, ihm sei an sachlicher Information nicht gelegen. "Der stellt sich doch nur in der alten Kirche in Positur, wenn die Presse kommt."

Die im Oktober 1976 gegründete Bürgerinitiative, der bundesweiten Bürgerinitiative angeschlossen und auch offen für Nicht-Brunskappeler, hat inzwischen 700 Mitglieder um ihre Fehnen geschart. Sie verweisen auf ein Gutachten, das die Stadt Olsberg bei dem ehemaligen Leiter des Geologischen Landesamtes von Nordrhein-Westfalen, Professor Karenberg, in Auftrag gegeben hatte. Der Wissenschaftler war darin – im Gegensatz zum Ruhrtalsperrenverein – zur Ansicht gelangt, daß nicht nur im Negertal, sondern auch im benachbarten Elpetal die Errichtung eines Stausees möglich sei. Und dort hätte niemand umsiedeln müssen.