Von Rolf Kunkel

New Orleans

Die Bourbon Street hatte ihre besten Jazz-Musiker entsandt, allen voran Al – Hirt, In der VIP-Lounge fetzte er den Ehrengästen Blues-Rhythmen um die Ohren. Präsidentenmutter Lilian Carter wurde mit einem "Let me call you sweetheart" begrüßt Sohn Jimmy rief später aus Camp David an und gratulierte.

New Orleans erlebte seine erste Ali-Nacht. Die Straßen waren leergefegt. Der von den Veranstaltern. in 200 Meilen Umkreis verhängte Fernseh-Blackout trieb die Fans zu Tausenden nach Houston oder Tampa. Unablässig warnte der Rundfunk vor Ausflügen in grenznahe Orte, es gab kein freies Hotelbett mehr.

75 000 Boxfreunde besaßen eine Karte für den Superdome, sie sorgten für die höchste Tageskasse in der Geschichte des Boxsports: sechs Millionen Dollar. Den Kampf mit eigenen Augen sehen konnten auch sie kaum. Das Sport-Kolosseum am Mississippi hat das Ausmaß einer Raketenmontagehalle von Cape Kennedy. An der hundert Meter hohen Kuppel hängen, für alle sichtbar, riesige Leinwände. Man ist live dabei und doch nur im Kino.

Jene, die für 200 Dollar einen der 15 000 zu ebener Erde aufgestellten Stühle besetzt hielten, waren kaum besser dran. Auf der Suche nach Prominenten versperrten ihnen Neugierige die Sicht. Sehen und gesehen werden, war das Motto des Abends. Komiker Jerry Lewis fand das ganze so komisch, daß er ständig nach seiner Kamera griff. Sehenswert der Einzug von Rock-Star John Travolta. Sieben stabile Uniformierte der Nationalgarde vonLouisiana leisteten Schwerstarbeit, bis er seinen Platz erreichte, neben Muhammad Alis bildhübscher Frau Veronica. Telly Savallas, Liza Minelli, Jonny Cash, Frank Sinatra – die Kulisse der Ali-Show konnte sich sehen lassen.

Gemessenen Schrittes erschien das Weltidol zum 58. Kampf in 14 Berufsjahren auf der Bühne des Schwergewichts. Wie stets hatten Novocain-Spritzen seinen kaputten, gichtgeplagten Händen für die Zeit des Kampfes die Schmerzen genommen. Gerade hat ihn sein Freund und Leibarzt Ferdie Pacheco nach 15 Jahren verlassen. Er mochte der Demontage des Mannes, dem er eng verbunden war, nicht länger verantwortlich zuschauen.