Was den Banken seit Jahren recht ist, wird für Postkunden immer billiger. Nachdem Euroschecks, Sparbücher und bargeldloser Zahlungsverkehr schon lange zum Service gehören, werden jetzt auch Urlauber von der Post kräftig umworben. Die Reisekasse soll nicht mehr nur am Bank-, sondern auch am Briefmarkenschalter gefüllt werden.

Bewährt hat sich das zu Jahresanfang geschlossene Abkommen mit der American Express Bank. Seither können Amexco-Reiseschecks an jedem Postschalter, oder – von Postscheckkunden – mit einem Überweisungsformular zu Hause bestellt werden. Und zwar in US-Dollar, englischen Pfund, französischen und Schweizer Franken, kanadischen Dollar und natürlich in deutscher Mark.

Auch fürs Kleingeld am Urlaubsort sorgt die Post. Nach einem Probelauf im Köln-Bonner Flughafen wurden inzwischen eine Reihe von Ämtern mit Fremdwährungen ausgestattet. "Alle gängigen Sorten", so erläutert Manfred Bergmann im Bundespostministerium, "sind dort ohne Vorbestellung zu haben". Abgerechnet werden die Lire, Peseten, Franken, Drachmen etc. zu den jeweiligen Sortenkursen am Frankfurter Geldmarkt. Zusätzliche Gebühren, bei vielen Banken noch üblich, berechnen die Postler weder beim Verkauf noch beim Rücktausch nicht verbrauchter Auslandsscheine.

Bei der Auswahl der bisherigen Wechselschalter haben sich die Bonner "zunächst auf die Sammelpunkte des Tourismus" beschrankt. An den Flughäfen in Frankfurt, Köln, Berlin, Düsseldorf, Hannover und Nürnberg kann ebenso getauscht werden wie an Grenzübergängen in Aachen, Kehl und im Saarland oder nahe dem Columbuskai in Bremerhaven. Und rechtzeitig für die Wagner-Wochen wurde auch die Bayreuther Hauptpost für den Sortenhandel ausgerüstet – hier allerdings vor allem als Mark-Quelle für ausländische Konzertbesuchen

Deutsche im Ausland haben indes noch eine weitere Möglichkeit, ihre Börse durch die Post aufzufüllen. In Dänemark, Italien, Luxemburg, Holland, Österreich, in Spanien, Liechtenstein und der Schweiz können jetzt von deutschen Postsparbüchern monatlich; bis zu 2000 Mark abgehoben werden.

In einigen Ferienzentren Spaniens sind dazu sogar deutsche Beamte eingesetzt, die ihren iberischen Kollegen während der Urlaubszeit zur Hand gehen. Bis 1980 ist der Spanien-Service schon fest vereinbart, ähnliche Versuche in anderen europäischen Feriengebieten werden von den Bonnern geplant.

Die Banken und Sparkassen, vor etlichen Jahren beim Einstieg der Bundespost ins Spar- und Gehaltskontengeschäft noch in Kampfstimmung gegen die neue Konkurrenz, sehen im Urlauberservice der Bonner keine ernste Gefahr: "Dieses Geschäft ist zu gering, um uns zu beunruhigen", heißt es beim Bundesverband deutscher Banken in Köln.

Klaus J. Busch