Gaumatchos" hieß es freundschaftlich auf georgisch, "Santé" auf französisch, und die Gläser klirrten beim guten deutschen "Prost". Der Grund zum Anstoßen war feierlich. Drei Städte schlossen, zum erstenmal in dieser Form, einen Partnerschaftsvertrag: Nantes im äußersten Westen Europas, Tbilisi (Tiflis), die Hauptstadt der Sowjetrepublik Georgien tief im Osten, und Saarbrücken, irgendwo dazwischen. Die Feiernden standen in der Runde, dort im Saarbrücker Rathaus, wo die Idee der Drei-Städte-Partnerschaft geboren wurde, und versicherten sich gegenseitig: Das ist ein Stück wahrer Völkerverständigung.

Mit der Verständigung hapert es zwar gewaltig – denn wer spricht schon Russisch, geschweige denn Georgisch? Doch was die Beziehungen der Völker, beziehungsweise der Städte untereinander angeht, so ist zumindest das Verständnis füreinander entscheidend gewachsen. Und seit sich Saarbrückens Partnerschaft zu Tbilisi – übrigens seit 1975 offiziell und mit dem Segen Moskaus – so schön und freundlich entwickelt hat, daß fast schon regelmäßige Besuche stattfinden, an denen sich längst alle Parteien beteiligen, ist auch die anfängliche Kritik an den Roten im Saarbrücker Rathaus und ihrer Freundschaft zu den Roten im Süden der Sowjetunion verstummt.

Heute verstehen sie sich, auch ohne Sprache. Und als in der Feierstunde zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages am Wochenende Alain Chenard, Nantes Bürgermeister, sein "Vive" der Reihe nach auf alle drei Städte ausbrachte, als sein georgischer Kollege Bahwa Lobjanidze mit Bruderkuß Freundschaft demonstrierte, und beide in ihren Sprachen dasselbe sagten, nämlich die Hoffnung auf Vertiefung der Freundschaft und den Dank an Saarbrückens OB Oskar Lafontaine für die Initiative ausdrückten, da war für die Teilnehmer Europa auf einmal ein bißchen näher. Und etwas kleiner: geschrumpft auf ein paar Fahnen, ein paar Sprachen, ein paar Städte, die entschlossen sind, ihre freundschaftlichen Beziehungen zu vertiefen – als bestünde die Distanz zwischen ihnen nur aus den paar tausend Kilometern.

So klangen die Reden optimistisch, und so steht es im Partnerschaftsvertrag: In sechs Punkten ist aufgezählt, was von kulturellen Veranstaltungen bis zum Erfahrungsaustausch auf allen Gebieten der kommunalen und sozialen Praxis durch gegenseitige Besuche gefördert werden soll. Besuche von Saarbrücken nach Nantes und nach Tbilisi haben sich eingespielt und pflegen meist sehr intensiv auch auf privater Ebene zu verlaufen, berichten von der Gastfreundschaft geschlauchte Teilnehmer. Wie sich die erweiterte Städtepartnerschaft zwischen Tbilisi und Nantes anlassen wird, wird sich spätestens im März zeigen. Zu dieser Zeit nämlich hat der französische Bürgermeister seine beiden Kollegen samt Delegationen nach Nantes eingeladen.

Während sich Saarbrücken schon Gedanken darüber macht, für möglichst viele Bürger die Mitreise preiswert zu machen, wird die Beteiligung aus Georgien wohl bis kurz vorher noch offen bleiben. So exakt kann die östliche Partnerstadt nach eigenem Gutdünken nie planen. Bei Begegnungen im Westen dann ein Grund mehr für ein ausgedehntes "Prost" auf die Völkerverständigung.

Christel Szymanski