Von Kurt Wendt

Die deutschen Seeschiffswerften befinden sich in einem internationalen Verdrängungswettbewerb. 1975 leisteten sie noch 54,7 Millionen Fertigungsstunden, 1980 werden es nur noch 23,4 Millionen sein, auch wenn Bund und Länder massive Überlebenshilfe leisten.

Wenn es nach den Vorstellungen des Verbandes der Deutschen Schiffbauindustrie geht, wird der deutsche Steuerzahler künftig zwanzig Prozent der Kosten aller auf deutschen Werften gebauten Seeschiffe übernehmen. Doch damit nicht genug. In dem jetzt dem Bundeswirtschaftsminister übermittelten Vorschlag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Schiffbaues wird weiter vorgeschlagen, die Investitionsvoraussetzungen derdeutschen Reeder zu verbessern. Dies nicht nur

durch Herabsetzung von ertragsunabhängiger Steuern, sondern auch durch die Modifizierung der Sonderabschreibungen auf Schiffe, die von gut verdienenden "Steuersparern" mitfinanziert werden. Auch hier soll der Fiskus einen Beitrag leisten.

Noch nie waren Reeder und Schiffbauer schüchtern, wenn es für sie um steuerliche Hilfen ging. Unter der Losung "Schiffahrt ist Not" wurde beim Fiskus manche Milliarde lockergemacht. Zugegeben, ohne sie wäre der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte nach dem Krieg nicht möglich gewesen. Wer allerdings darauf gehofft hat, beide Wirtschaftszweige würden eines Tages ohne staatliche Krücken auskommen, muß spätestens jetzt einsehen, daß sich seine Gedanken in die falsche Richtung bewegt haben.

1974 sah dies noch ganz anders aus. Damals hatten, die deutschen Schiffbauer eine Wachstumsrate aufzuweisen wie kein anderer Industriezweig. Damals war die deutsche Schiffbauindustrie nach Japan der zweitgrößte Produzent der Welt. Heute liegen die deutschen Werften bereits an zehnter Stelle – hinter Werftneulingen wie Südkorea.

Natürlich hat die Ölkrise auch für die deutschen Werften neue Daten gesetzt. Aber immer deutlicher wird, daß es sich hier nicht nur um einen "Betriebsunfall" handelt. Die Krise ist auch nicht nur konjunktureller Art, sondern hat gewichtige strukturelle Ursachen. Wer den Entwicklungsländern einen neuen Platz in der Weltwirtschaftsordnung zuweist, muß wissen, daß die zu Lasten der alten Industrienationen geht. Da der Bau von Massenschiffen nun einmal keine technische Spitzenleistung mehr darstellt, kann sie ebenso gut, aber um etliches billiger von den jungen Schiffbaunationen vollbracht werden als zum Beispiel von den Werften der Bundesrepublik, die zudem mit den höchsten Lohnkosten der Welt fertig werden müssen.