Der AEG-Kurs hat sich in den letzten Tagen nach oben entwickelt. Mit diesem Anstieg nahm er das Ergebnis der Verhandlungen vorweg, die über die Verpflichtungen von AEG/Telefunken aus den Siedewasserreaktor-Aufträgen mit Siemens geführt worden sind. Wenn diese Verpflichtungen jetzt auf 1,215 Milliarden Mark festgeschrieben wurden, dann ist dies zwar mehr als an der Börse erwartet und auch rund eine viertel Milliarde mehr, als per Ende 1977 für diesen Zweck in der Bilanz zurückgestellt worden war, doch ist ein Ende mit Schrecken immer noch besser als gar kein Ende.

In der Bewertung der AEG-Aktie ist die Grundlage solider geworden, auch wenn die Fragezeichen noch zahlreich sind. Möglicherweise ist die Regelung dieser Altverpflichtungen die Voraussetzung für alle weiteren Schritte. Wer würde wohl mit einer Gesellschaft kooperieren, die ein Milliarden-Risiko mit sich herumschleppt? Vorstandsvorsitzender Cipa spricht nach wie vor von Partnern, die Interesse an einer Kooperation mit. seinem Unternehmen haben. Er sei auf der Suche, so sagte er kürzlich in Zürich, nach Alternativen, die ihm die von der Hauptversammlung verwehrte Stimmrechtsbegrenzung ersetzen können. Angeblich stellt die Beschränkung des Aktionärsstimmrechts zur Verhinderung einer unerwünschten Paketbildung die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppen dar. Eine These, die er wohl den Bankenvertretern in seinem Aufsichtsrat "verkaufen" konnte, diese aber nicht in ihren Instituten, so daß es zu dem Abstimmungsdebakel für Cipa kam.

Ohne Zweifel ist AEG/Telefunken nicht nur für Kooperationspartner interessanter geworden, sondern auch für Investoren, die sich zutrauen würden, dem fußkranken Konzern wieder auf die Beine zu helfen. Ob es solche Interessenten gibt, ist keineswegs sicher, auch wenn in den Börsensälen immer wieder die Namen Flick und Volkswagenwerk genannt werden. Immerhin ist der Börsenphantasie neue Nahrung gegeben. Dies auch zum Nutzen der leidgeprüften AEG-Aktionäre. Wenn sie schon auf Dividende verzichten müssen, so tut es ihnen gut, wenn sich der Kurs ihrer Papiere nach oben entwickelt. Wie man an Wertpapieren verdient, ist letzten Endes gleich ...

K.W.