Allen Unkenrufen zum Trotz: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum hat sich gegenüber den vorangegangenen Monaten leicht verstärkt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden nahm das Bruttosozialprodukt, der umfassende Ausdruck der gesamtwirtschaftlichen Leistung, im ersten Halbjahr 1978 real um 2,8 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit zu. Das Wachstum geht, so das Amt, ausschließlich auf die Steigerung der Produktivität zurück. Nominal ist das Sozialprodukt um 6,7 Prozent auf 605,9 Milliarden Mark gewachsen. Vor allem der private Verbrauch, aber auch Anlageinvestitionen haben mit einem realen Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Beitrag zum positiven Gesamtbild geleistet.

Die starke Zunahme der Inlandsnachfrage hatte denn auch in den Sommermonaten einen entscheidenen Anteil am aufgehellten Konjunkturhimmel. Nach dem jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank in Frankfurt lagen die Konsumausgaben der privaten Haushalte im zweiten Quartal 1978 dem Wert nach um sieben Prozent über der vergleichbaren Vor jahreszeit. Bund und Länder gaben im April, Mai und Juni sogar zehn Prozent mehr aus als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres. Auch die gewerbliche Wirtschaft war zu Investitionen eher geneigt. Ihre Ausgaben für Ausrüstungsinvestitionen lagen im ersten Halbjahr 1978 um real sieben Prozent höher als im ersten Halbjahr 1977.

In den Chor von Bundesbank- und Statistischem Bundesamt stimmt ebenfalls das Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg (HWWA) ein. Die Hamburger Forscher sehen auch für die kommenden Monate den privaten Verbrauch als wichtige Stütze der gesamtwirtschaftlichen Produktion an. Schon in der ersten Jahreshälfte haben die deutschen Verbraucher tiefer als üblich in die Tasche gegriffen. Nutznießer waren nicht nur der Nahrungs- und Genußmittelbereich, auch der Handel mit Farbfernsehern und Rundfunkgeräten hat im ersten halben Jahr floriert: Der Umsatz mit Elektroerzeugnissen ist um 11,4 Prozent gestiegen. Der Pkw-Bereich, der im vergangenen Jahr die Zuwachsratenlisten anführte, konnte mit 5,4 Prozent immer noch eine beachtliche Steigerung erzielen. Finanziert wurde die Erfüllung der teuren Wünsche nicht allein aus dem monatlichen Einkommen, die privaten Haushalte haben – so ermittelten die Wissenschaftler – verstärkt auf ihre Ersparnisse zurückgegriffen oder Konsumentenkredite in Anspruch genommen.

Günstig auf das Konsumklima könnte sich im zweiten halben Jahr zudem die relativ niedrige Preissteigerungsrate auswirken. Die Commerzbank rechnet mit einer Zwei vor dem Komma für das Gesamtjahr 1978. Im ersten Halbjahr hat sich der Preisanstieg bereits auf 2,9 Prozent abgeschwächt, wie die Statistiker in Wiesbaden errechneten. Eine erfreuliche Entwicklung gegenüber dem ersten Halbjahr 1977, in dem die Preise noch um 3,9 Prozent stiegen, mh/ms