Von Eva Marie von Münch

Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik mehr als 120 000 Frauen ungewollt schwanger. Einige akzeptieren nach anfänglichem Zögern diese Schwangerschaft und tragen das Kind aus. Die große Mehrzahl will sich mit der Schwangerschaft nicht abfinden. Viele fahren ins Ausland (im Jahr 1977 waren es noch immer mehr als 50 000) und finden dort ohne große Mühe eine Klinik, die den Abbruch vornimmt; noch mehr Frauen aber (im Jahr 1977 rund 54 300, in den ersten drei Monaten dieses Jahres genau 18 498) gehen den legalen Weg, den der neue Paragraph 218 seit zwei Jahren bei uns bietet. Dieser Weg ist fast immer mühevoll. Vor allem enthält er zahlreiche Hürden, die infolge der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts "zum Schutz des ungeborenen Lebens" teils im Strafgesetzbuch verankert, teils durch Verwaltungsvorschriften der Länder. errichtet worden sind.

Eine Frau, die ihre Schwangerschaft legal abbrechen lassen will, muß folgende Stationen durchlaufen:

1. Die Schwangerschaft muß sicher festgestellt werden (normalerweise von einem Arzt).

2. Eine Beratung "über die zur Verfügung stehenden öffentlichen und privaten Hilfen..., die die Fortsetzung der Schwangerschaft und die Lage von Mutter und Kind erleichtern", muß stattfinden; diese soziale Beratung kann entweder eine anerkannte Beratungsstelle oder ein sachkundiger Arzt übernehmen; die Schwangere braucht eine Bescheinigung darüber, daß die Beratung stattgefunden hat.

3. Ein Arzt muß feststellen und bescheinigen, daß einer der vier Gründe vorliegt, die nach dem Gesetz einen Schwangerschaftsabbruch rechtfertigen: Gesundheits- oder Lebensgefahr für die Mutter (medizinische Indikation), Schädigung des Kindes (eugenische Indikation), Vergewaltigung (kriminologische Indikation) oder eine ähnlich schwere Notlage, die der Mutter das Austragen der Schwangerschaft unzumutbar macht (soziale Indikation). Mehr als zwei Drittel aller Abbrüche (67 Prozent) werden auf Grund dieser sozialen Indikation vorgenommen.

4. Ein Arzt muß die Schwangere über mögliche medizinische Komplikationen beim Abbruch und über mögliche Gesundheitsschäden nach dem Abbruch informieren.