Die Zahl der externen Berater, auf die Forschungsminister Volker Hauff zurückgreifen kann, wenn von der Industrie beantragte Forschungsprojekte fachlich begutachtet werden sollen, ist inzwischen auf etwa 1100 gestiegen. Daß Hauff darüber nicht ganz glücklich ist, läßt sich aus folgender Bemerkung herauslesen: "Diese zahlenmäßige Zunahme muß jedoch im Interesse der Ausgewogenheit und eines hohen qualitativen Niveaus der Beratung des Ministeriums in Kauf genommen werden".

Hauff ist sich im übrigen durchaus bewußt, daß seine externen Berater allerlei Anfechtungen ausgesetzt sein können. Hauff dazu: "Wissenschaftliche kompetente, interessenmäßig aber völlig neutrale Berater lassen, sich in der Praxis kaum finden." Weil das so ist, werden die Berater bei der Berufung gebeten, "denkbare Konflikte offenzulegen und sich bei Beratungen über Vorgänge, mit denen sie in irgendeiner Weise verbunden sind, einer Mitwirkung zu enthalten oder aber, bei ihren Beiträgen, für die anderen Mitglieder und das Ministerium erkennbar zu machen, daß hier Interessenbindungen vorliegen, soweit diese nicht offenkundig sind".

Soweit es sich um Sachverständige von Hochschulen und sonstigen Instituten handelt, kann man nur hoffen, daß sie auch regelmäßig offenlegen, wo sie außerhalb ihrer Dienstgeschäfte für Unternehmen beratend tätig sind. Immerhin sind in der Berater-Liste des Forschungsministeriums diejenigen Sachverständigen, die der Industrie angehören, deutlich als Firmenrepräsentaten gekennzeichnet.

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Auch Verteidigungsminister Hans Apel hat immer wieder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, nämlich mit dem Filz zwischen Ehemaligen seines Hauses und der Rüstungsindustrie. Es ist seit langem Sitte oder Unsitte, daß sich Rüstungsfirmen pensionierte Offiziere und Beamte des Verteidigungsministeriums als Berater einkaufen. Offiziell sucht man deren militärischen Sachverstand, inoffiziell spielt der Gedanke an Kameraderie zwischen Inaktiven und Aktiven eine Rolle. Denn die Aktiven, die über Beschaffung neuer Geräte entscheiden, waren ja oft die Untergebenen der heutigen Ruheständler in Industriediensten. Seit Jahren ist schon Brauch, daß Ausgeschiedene für die Dauer von drei Jahren nicht als Firmenvertreter direkten Kontakt zur Bundeswehr aufnehmen dürfen, es sei denn, das Ministerium erlaubt es ausdrücklich.

Der Mann, der im Verteidigungsministerium darauf drängt, alle privaten Beziehungen ehemaliger Offiziere oder Beamten zu Rüstungsfirmen zu unterbinden, ist Fritz-Josef Rath, Leiter des Referates Ermittlungen in Sonderfällen, besser als Anti-Korruptions-Referat" bekannt. Rath möchte erreichen, daß die Pensionäre sich ganz auf ihr Altenteil zurückziehen und künftig die Finger von privaten Beratertätigkeiten lassen, die zum Konflikt mit früheren Dienstgeschäften führen könnten.

Tatsächlich beschäftigt sich das für die Dienstrechte und Pflichten der Beamten zuständige Innenministerium schon seit einiger Zeit mit der Materie. Der Parlamentarische Staatssekretär Andreas von Schöler dazu auf Anfrage von MdB Axel Wernitz: "Abschließende Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Sie bedürfen zudem sorgfältiger verfassungsrechtlicher Abwägung". Wie diese Abwägung am Ende aussehen wird, ist intern längst entschieden: Immerhin entscheiden aktive Beamte über Fragen, die ihren eigenen späteren Ruhestand berühren.