In dieser Woche erreichte die deutsche Aktienbörse einen neuen Jahreshöchststand. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil gleichzeitig viele Banken ihrer Kundschaft nahelegen, sich doch von einem Teil ihres Aktienbesitzes zu trennen, um auf diese Weise Kursgewinne sicherzustellen. Auch Investment-Fonds sind dazu übergegangen, wieder Liquidität anzureichern.

Wenn der Aktienmarkt dennoch nach oben strebt, dann liegt es an den Kaufaufträgen aus dem Ausland ebenso wie an jenen Optimisten, die der Ansicht sind, daß die nunmehr immer deutlicher werdende Konjunkturbelebung zumindest stimmungsmäßig für weiteren Kurtauftrieb sorgen wird. Die Furcht, die Zinsen könnten im kommenden Jahr steigen und die Kurse der Aktien in Mitleidenschaft ziehen, wird vorerst noch verdrängt.

Den eigentlichen Anstoß für die neue Aufwärtsbewegung gab das in Aussicht stehende Milliarden-Geschäft mit China. Auch wenn seine Realisierung noch in weiter Ferne liegt, feiern Börsianer es bereits als "nächste" Konjunkturprogramm". Über Nacht ist eine neue Kategorie von Aktien entstanden, nämlich solche mit "China-Touch". Dazu werden großzügig fast alle deutschen Maschinenbau-Werte gerechnet.

Von der grassierenden Dollarschwäche wurde in den deutschen Börsensälen dagegen nur am Rande Kenntnis genommen. Mehr Beachtung fand die Aufstockung der Kreditlinien des Internationalen Währungsfonds, weil dadurch etliche Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden, weitere Industriegüter zu bestellen. Auch das – so heißt es – wird der deutschen Industrie zugute kommen-

Daß es Investoren gibt, die nicht nur für die nächsten Wochen optimistisch sind, sondern auch noch länger, zeigen die Preise, die für sechsmonatige Kaufoptionen gezahlt werden. Für die VW-Aktie sind das immerhin 16 Mark. K. W.