Von Dieter Buhl

Der Rücktritt Balthasar Johannes Vorsters vom Amt des südafrikanischen Regierungschefs kommt dem Abgang eines Schiffskapitäns auf hoher, schwerer See gleich: Südafrika hat sich soeben mit seiner eigenwilligen Politik in Namibia den frischen Zorn des Westens zugezogen, und seine Zukunftsaussichten erscheinen jetzt düsterer als je zuvor. Gesundheitliche Gründe, so heißt es, haben den Premier veranlaßt, sich in das ruhigere Amt des Staatspräsidenten zurückzuziehen.

Zwölf Jahre lang hat Vorster Südafrika regiert, eher als kantiger Patriarch denn als demokratischer Tribun. Gottesfurcht und Selbstbewußtsein diktierten sein Handeln. Im Inneren führte es nur zu geringfügigen Abschwächungen der alles überschattenden Apartheid – die Rassenschranken blieben festgezurrt, und die Machtlosigkeit der schwarzen Mehrheit blieb zementiert. Nach draußen versuchte Vorster ein wenig Konzilianz zu zeigen.

Was er zu Hause nicht zuließ, versuchte er dem weißen Nachbarstaat Rhodesien aufzureden: die Bereitschaft zu Verhandlungen – mit Führern der schwarzen Befreiungsbewegungen. Bei dieser Aktion stand jedoch nicht die Einsicht in eine unabwendbare Entwicklung Pate, sondern der Wunsch Vorsters, mit einem rhodesischen Nachgeben Zeit für sein eigenes Land zu gewinnen. Bislang spricht nur wenig dafür, daß ihm dies gelungen ist.

Hartnäckigkeit bewies er auch während seines Deutschlandbesuchs. Bei Gesprächen mit Bundeskanzler Schmidt und mit Genscher ließ er sich nicht von seiner Haltung abbringen. Im Gegenteil: Er verbat sich jede Kritik an seiner Rassenpolitik als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Südafrikas.

Unbeirrbar stand er bis zu seinem letzten Amtstag als Premier in der südafrikanischen Wagenburg. Getreu seinem Motto: "... klein, wie wir sind,... werden wir bis zuletzt mit allem kämpfen, was wir haben." Bislang konnte sich Südafrika weitgehend auf politische Kämpfe beschränken. Aber der Zeitpunkt schmerzhafterer Auseinandersetzungen scheint nicht mehr fern. Wer immer auch sein Nachfolger als Premierminister sein wird: Der kantige Bure hinterläßt ihm ein schweres Erbe. –l