Eine neue Brüsseler Richtlinie bringt die Bonner Bundestagsausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit auf Kollisionskurs

Von Wolfgang Hoffmann

Gesundheitsministerin Antje Huber hat erstmals Gelegenheit, ihr Ressort vom alten Verdacht zu befreien, ein Margarine Ministerium zu sein. Der Ruf hängt dem Ministerium seit langem an. Martin Schmidt-Gellersen, SPD-MdB, jedenfalls sagt: "In der Vergangenheit war das Haus oft gegen die Butter und für die Margarine."

Ein wenig mehr Distanz zur Margarine könnte eine neue Diät-Verordnung schaffen, die durch EG-Richtlinien nötig geworden ist. Die Schlüsselvorschrift darin: "Kennzeichnung, Aufmachung und Werbung dürfen diätischen Lebensmitteln keine Eigenschaften zur Vorbeugung, zur Behandlung oder zur Heilung einer menschlichen Krankheit zuschreiben oder auf diese Eigenschaften hinweisen."

Wird diese Maxime von Antje Huber national verordnet, dann droht den Diät-Erzeugern, vor allem aber der Margarineindustrie Ungemach. Sie müßte ihre massive gesundheitsbezogene Werbung mit Diätmargarine einstellen. Damit nicht genug, muß sie auch noch befürchten, daß Diätmargarine wieder zum einfachen Lebensmittel degradiert wird.

Das würde die Branche – insbesondere deren Marktführer, die zum Unilever-Konzern gehörende Union Deutsche Lebensmittelswerke mit ihrem knapp 60prozentigen Marktanteil – im Nerv treffen. Nicht zuletzt dem Diätcharakter einiger Marken wie der gesundheitsbezogenen Werbung verdankt das Ersatzfett ein ganz neues Image.

Lange galt der billige Butterersatz nämlich als "Arme-Leute-Essen", ein Ruf, an dem die Grüne Front im wohlverstandenen Eigeninteresse für ihre Butter eifrig mitgestrickt hat. Noch gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts war es verboten, Margarine neben der Butter in einem Geschäft zu verkaufen. Ihren Aufstieg verdankt die Margarine den mageren Nachkriegsjahren. Nur wenige Bundesbürger konnten sich gute Butter leisten, Margarine hingegen war billig. Sie lief der Butter deutlich den Rang ab: In den Jahren 1957 bis 1961 lag der durchschnittliche Margarineverbrauch pro Kopf drei Kilo über dem der Butter.