Die Unterschiede im Prämiensystem sind für den Kunden schwer zu erkennen

Jeder Autofahrer wird für seine Haftpflichtversicherung vom Beginn nächsten an eine um 8,6 Prozent höhere Prämie zahlen müssen. Für die Vollkaskoversicherung ist mit 9,5 Prozent und für die Teilkaskoversicherung mit sogar zehn Prozent Prämienerhöhung zu; rechnen. Die Autofahrer wird das ärgern, die Versicherungsgesellschaften beteuern die Notwendigkeit der höheren Kfz-Tarife, und das zuständige Aufsichtsamt versichert, daß alles mit rechten Dingen zugehe,

Doch warum fällt bei allen hundert Versicherungsgesellschaften die Prämienerhöhung einheitlich aus? Gibt es keinen, Wettbewerb in der Branche, und gibt es kein Kartellgesetz? Kartellverbote gelten danach "nicht für Wettbewerbsbeschränkungen im: Zusammenhang mit Tatbeständen, die der Genehmigung oder Überwachung nach dem Gesetz über das Kreditwesen" unterliegen. Nur wenn die Versicherungsgesellschaften ihre Freistellung vom Kartellverbot mißbrauchen, kann das Kartellamt Kartellbeschlüsse und -maßnahmen untersagen. Uns das geht nur im Einvernehmen mit der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen.

Streit hat es zwischen beiden Behörden denn auch schon gegeben, weil Einvernehmen nicht herzustellen war: Die Kartellbeamten wollten mehr Wettbewerb, die Aufsichtsbeamten dagegen weniger wirtschaftliches Risiko. Der Zusammenbruch eines Versicherungsunternehmens, so ihr Argument, sei auch zum Schaden der Versicherten. Streitfälle, hat es etwa bei der Feuerversicherung und bei der Schiffahrtsversicherung gegeben, nicht aber bei der Kraftfahrzeugversicherung, Denn dort ist der Bestand an versicherten Kraftfahrern so groß, daß sich Schadensfälle, Höhe und Struktur der Risiken sehr leicht berechnen lassen.

Die Statistiken, die der HUK-Verband der Versicherer liefert, werden mit Angaben des Statistischen Bundesamtes ergänzt und kontrolliert. Daraus und aus den regelmäßig vorgelegten Kalkulationen der Versicherungsgesellschaften läßt sich ein einigermaßen zutreffendes Bild gewinnen, ob die Prämien noch ausreichen oder nicht.

Die letzte Erhöhung der Kfz-Tarife fand am 1. Januar 1977 statt. Seither sind Schadenshäufigkeit und Schadenshöhe gestiegen. Würden 1975 noch 112 Schäden je tausend versicherte Fahrzeuge registriert, so waren es 1977 schon 123, und für 1978 rechnet man mit einem Anstieg auf 130 Schäden. Außerdem hat sich auch die Schadenshöhe verändert: 1977 betrug der Durchschnittsschaden noch 2777 Mark, für 1979 rechnet man aber mit durchschnittlichen Schadenshöhen von über 3000 Mark.

Die gesamte Schadenssumme von tausend Fahrzeugen wird nach diesen Berechnungen von 1977 auf 1979 um mehr als fünfzehn Prozent wachsen. Die Prämienerhöhung von 8,6 Prozent erscheint somit noch angemessen. Allerdings weiß bis heute noch niemand, ob sich die Schäden im kommenden Jahr wirklich so entwickeln wie vorausgeschätzt. Deshalb müssen die Versicherungsgesellschaften jährlich auch ihre Nachkalkulation bei der Aufsichtsbehörde anliefern. Überschüsse von mehr als drei Prozent der Prämieneinnahmen müssen an die Versicherten ausgeschüttet werden. Etliche Gesellschaften gewähren auch schon bei geringeren Überschüssen Rückerstattungen.