"Pourquoi pas?" von Coline Serreau, das in Frankreich überaus erfolgreiche, mit dem "Prix Georges Sadoul" ausgezeichnete Debut-Werk einer 30jährigen Filmemacherin. In einer malerisch verkommenen Villa am Rand von Paris proben Alexa, Fernand und Louis eine reine Liebe zu dritt: späte Nachfahren von Jeanne Moreau, Oskar Werner und Henri Serre aus Truffauts "Jules und Jim", deren häusliche Arrangements erst ins Wanken geraten, als eine vierte und eine fünfte Figur ins Spiel kommen. Mit viel Zuneigung für die unbürgerliche Lebensweise des Trios (die beiden Männer sind zudem homosexuell) entwirft Coline Serreau in einem offenen, episodischen Erzählstil einen durchaus nicht nur idyllischen Reigen ungewöhnlicher Beziehungen: Dennoch besitzt "Pourquoi pas?" eine optimistische Heiterkeit, die dem Film indessen gelegentlich zum Verhängnis wird: wenn seine Utopie vom zärtlichen Miteinander allzu rosarot gerät. In der deutsch untertitelten Originalfassung in den Programmkinos.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

"Der Schmalspur-Schnüffler" von Robert Moore. Das Team von "Eine Leiche zum Dessert" (Autor Neil Simon, Regisseur Moore, Produzent Ray Stark, Hauptdarsteller Peter Falk) persifliert diesmal nicht das "whodunnit"-Muster des klassischen Krimis, sondern den Mythos der Humphrey-Bogart-Filme aus den vierziger Jahren. Ricks Café aus "Casablanca" in Sam Spades San Francisco anzusiedeln, ist nicht ohne Witz. Und es ist durchaus amüsant, hinter den Parodien die Prototypen zu entschlüsseln: Louise Fletcher als Ingrid Bergman aus "Casablanca; Eileen Brennan in der Lauren-Bacall-Rolle; Madeline Kahn als Mary Astors Brigid O’Shaughnessy; den Pepe Damascus von Dom DeLuise als Peter Lorres Joel Cairo. Doch der Gag-Technik von Neil Simon fehlt – ganz im Gegensatz etwa zu den Genre-Parodien eines Woody Allen oder Mel Brooks – die verbindende Logik einer ungebrochenen Liebe zum verulkten Original. Seine Gags gerinnen zu akademisch ausgetüftelten Verweisen, die eine Kollektion mehr oder weniger witziger Kabarettnummern auf Kinolänge auswalzen. "The Cheap Detective" (Originaltitel) spekuliert auf die Nostalgie-Gelüste des Kinogängers. Und bietet ihm einen Besuch im Wachsfiguren-Kabinett. Helmut W. Banz

Ärgerlich

"Schmiere" von Randal Kleiser, einem Fernseh-Regisseur, der in seinem Spielfilm-Erstling das Musical "Grease" in schlimmster Fernseh-Frisier-Methode derart pomadisiert, daß sich dem Betrachter nicht einmal mehr die Nackenhaare sträuben können. Der Broadway-Hit von 1972 evozierte ironischnostalgisch die Rock-and-Roll-Ära der fünfziger Jahre, vor allem die damals aufbrechende Alternative zwischen College-Anpassung und Rock-Revolte: zwischen Pat Boone und Bill Haley, Kurzhaarschnitt und Schmalztolle, Ringelsöckchen und Strumpfhose, weißem Pullover und schwarzer Ledermontur. Kleiser macht daraus eine zahme Love-Story zwischen einem Entenschwanz-Boy und einem Pferdeschwanz-Girl, bei der John Travolta seine (in "Saturday Night Fever" eingeübten) Posen als Westentaschen-James Dean rekapituliert und die Sängerin Olivia Newton-John sich in ihrem Kinodebüt recht dürftig als "Sandra Dee für Arme" in Pose setzt Die Musical-Sequenzen schwanken hilflos zwischen rigoroser Stilisierung und schuldigem Realismus. Die Pop-Heroen von einst (Frankie Avalon, Sid Caesar, Edd Byrnes) werden in Kurzauftritten verschaukelt. Nur Stockard Channing, als Chefin der "Pink Ladies", vermittelt (wenn auch viel zu alt für diese Rolle) ein wenig vom Flair des seinerzezeit "Verruchten". Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Ausgeflippt" von Richard Benner. "Höhenkoller" von Mel Brooks. "Der kleine Godard" von Hellmuth Costard. "Pretty Baby" von Louis Malle. "Aus der Ferne sehe ich dieses Land" von Christian Ziewer.