Noch vor einem Jahr galt sie allenthalben als formvollendete Version des Pleitegeiers im 20. Jahrhundert, die britisch-französische Concorde. Doch das publizistische Bild des Überschallflugzeugs hat sich verändert: Heute orientieren sich die Geier am rasanten Ebenbild der schlanken Maschine.

Das Wohlwollen englischer Cartoonisten und europäischer Journalisten ist mit der wachsenden Nachfrage nach den teuren Concorde-Plätzen gestiegen. Air France und British Airways konnten mittlerweile jeweils mehr als 100 000 Passagiere buchen, auf der Route Europa–New York fliegen die Mach-2-Maschinen gut ausgelastet.

Die Concorde-Hersteller sprechen bereits von einem Aufwind und hoffen, die dunklen Wolken der beschlossenen Modelleinstellung werden sich lichten. Trotz wachsender Beliebtheit des Flugzeugs ist dies gewiß eine voreilige Hoffnung, da die Concorde auf ihren anderen Routen weiterhin Verluste einfliegt. British Airways mußte in seinen stattlichen Profit von 33 Millionen Pfund im letzten Geschäftsjahr 17 Millionen Concorde-Verluste (davon 15 Millionen Abschreibung) einbringen. Da die Regierung diese Summe nach Vorjahrsvorbild (damals 8,5 Millionen Minus) wohl als Dividendenverzicht verbucht, bleibt die Luftlinienbilanz sauber. Dennoch läßt British Airways keinen Zweifel daran, daß die Concorde-Flotte im jetzigen Streckennetz nie profitabel werden kann.

Mit neuen Strecken ist derzeit aber nicht zu rechnen, alle Verhandlungen in Fernost und Afrika stocken, selbst die Überflugrechte in den USA sind noch nicht geklärt. Die amerikanische Linie Braniff, die europäische Concordes an der Ostküste übernehmen und mit US-Flugnummern und amerikanischen Besatzungen weiter nach Texas und eventuell nach Südamerika steuern will, wartet noch auf die Erlaubnis aus Washington. Braniff-Piloten trainieren derweil schon in Frankreich und in England.

Gelinde Erwartungen verknüpfen sich zugleich mit einem anderen Plan: In Großbritannien sollen die fünf British-Airways-Concordes und zwei unverkaufte Exemplare eventuell zu einem Pool zusammengefaßt und im Leasing-Verfahren an andere Gesellschaften weitergegeben werden. An diesem Vorhaben zeigten sich auch große US-Linien interessiert, doch zu großen Erwartungen, so heißt es in Luftfahrtkreisen, sei noch keinerlei Anlaß.

Ein britisches Magazin hat die Concorde jetzt als "süßen Vogel Jugend" gehätschelt. Ob er alt wird, steht noch dahin. Klaus Viedebantt