Von Rudolf Herlt

ZEIT: Herr Pöhl, was würden Sie als das herausragende Ergebnis der Währungskonferenz von Washington bezeichnen?

Pöhl: Ich glaube, daß dies die übereinstimmende Auffassung der wichtigsten auf der Konferenz vertretenen Länder ist, daß die Zahlungsbilanzungleichgewichte erheblich reduziert werden dürften. Besonders ermutigend waren die Reden des amerikanischen Präsidenten und des amerikanischen Finanzministers, in denen ein deutlicher Abbau des US-Leistungsbilanzdefizits und energische Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation und eine Verringerung der Öleinfuhren angekündigt worden sind. Diese Voraussagen stimmen auch mit den Schätzungen des Internationalen Währungsfonds überein. Gleichzeitig bestehen begründete Aussichten, daß der Leistungsbilanzüberschuß Japans, der in diesem Jahr die Rekordhöhe von 19 Milliarden Dollar erreichen wird und fast genauso hoch ist wie der gesamte Überschuß der OPEC-Länder, abgebaut wird.

Auch der Leistungsbilanzüberschuß der Bundesrepublik, der allerdings mit fünf Milliarden Dollar kaum ein Viertel des japanischen ausmacht, dürfte im nächsten Jahr wesentlich kleiner ausfallen. Das alles wird meines Erachtens dazu beitragen, daß sich die Wechselkurse stabilisieren. Damit wird die Unruhe an den Devisenmärkten geringer werden, die ja nicht zuletzt eines der Hemmnisse für das wirtschaftliche Wachstum in diesem und im vorigen Jahr gewesen ist.

ZEIT: Woher nehmen Sie den Optimismus, daß die Amerikaner diesmal erfolgreicher sein werden als nach den vielen ähnlichen Versprechungen der letzten Monate?

Pöhl: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Der wichtigste Grund ist, daß sich das wirtschaftliche Wachstum und damit auch der Zuwachs der Einfuhren in den USA aller Voraussicht nach nicht unerheblich verlangsamen wird. Zu einer Stabilisierung des Dollars dürfte ferner der doch geradezu spektakuläre Anstieg der Zinsen beitragen. Der Diskontsatz, der jetzt noch einmal um ein viertel Prozent erhöht wurde, ist der höchste in der Geschichte der USA. Außerdem besteht wohl eine nicht unbegründete Aussicht, daß sich Präsident Carter mit seinem Energieprogramm nunmehr im Kongreß – jedenfalls mit wesentlichen Teilen – durchsetzen wird.

ZEIT: Aber trotzdem bleibt doch die Inflationsrate wesentlich höher als in der Bundesrepublik.