DIE ZEIT

Die Grünen machen den Parteien Angst

Unsere etablierten Parteien gleichen Kurzstreckenläufern, die immer nur das Hundert-Meter-Ziel vor Augen haben. Nach den Länderwahlen in Hamburg, wo fünfundzwanzig Prozent aller jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren für die Grünen stimmten, und in Niedersachsen, wo die Grünen auf Anhieb 3,9 Prozent aller Stimmen erhielten, verabschiedete der Bundestag in rascher Folge einige wichtige Gesetze zum Umweltschutz, darunter die Kriminalisierung der Umweltvergehen.

Chinas Handel lockt

China hat einen neuen Sprung in die Zukunft gewagt. Beim vorläufigen Abschluß des Acht-Milliarden-Geschäfts mit deutschen Industriefirmen und Großbanken haben sich die Chinesen zum erstenmal bereitgefunden, längerfristige Kredite aufzunehmen.

Ein Symbol

Sensible Polen leiden darunter, daß das Interesse der Deutschen an ihnen geringer ist als das der Polen an den Deutschen. Um so bewegender ist die ungewöhnliche Aufmerksamkeit, die der Oberhirte der katholischen Kirche Polens, Stefan Kardinal Wyszynski, über fünf Tage in der Bundesrepublik erfuhr – die Aufmerksamkeit für einen unbestrittenen Repräsentanten der polnischen Nation.

Unschuldig

Es war eine schwere Stunde für Generalbundesanwalt Kurt Rebmann: Drei Wochen, nachdem der Bundestag die parlamentarische Immunität des SPD-Abgeordneten Uwe Holtz wegen Spionageverdachts aufgehoben hatte, mußte Rebmann gestehen, daß die obersten Ankläger einer Ente aufgesessen waren: Der Verdacht, von dem in den Westen übergelaufenen rumänischen Geheimdienst-General Pacepa lanciert, ist gänzlich unbegründet; Holtz und der mit ihm beschuldigte Bahr-Referent Broudre-Gröger sind unschuldig.

Worte der Woche

"Ich bringe vor die Knesseth und damit vor das Volk die Botschaft von der Erzielung eines Friedens mit dem stärksten und größten arabischen Staat und – im Verlauf der Zeit – unweigerlich auch mit allen unseren Nachbarn.

Zeitspiegel

Schon vor drei Monaten hat die Sowjetunion stillschweigend ihr Überschall-Flugzeug TU-144 aus dem Verkehr gezogen, was freilich erst vor zwei Wochen bekannt wurde.

Vaterländisches: "...über alles"-für alle?

Friedrich Nietzsche hatte die Anfangsverse von "Deutschland, Deutschland über alles" als "Blödsinnigkeit" empfunden. Der Alt-Bundespräsident hatte die erste Strophe als "Irredenta-Gesang" abqualifiziert (über die Qualität des zweiten Verses wollte er lieber schweigen!), der Wiedereinführung der Hymne hatte er jedoch 1952 zugestimmt.

Fünfer-Fronde gegen Sadat

In Damaskus hat sich zum zweitenmal eine Fronde der Verweigerer gegen den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar el-Sadat formiert.

Späte Häutung

Spät, fast zu spät, hat der brasilianische Präsident Ernesto Geisel seine diktatorische Machtfülle selbst beschnitten. In der vorigen Woche billigte der Kongreß in Brasilia eine Verfassungsänderung, die zum 1.

Sehnsucht nach dem starken Mann

Der französische Soziologe Maurice Duverger hat kürzlich in der Zeitung Le Monde eine interessante historische Parallele zwischen dem Portugal des Jahres 1978 und dem Zustand der Weimarer Republik im Jahre 1930 konstruiert.

Deutsche Südafrikapolitik: Bonn muß Farbe bekennen

Noch klammern sich die fünf Westmächte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an das Prinzip Hoffnung. Vorläufig wollen sie den Friedensplan für Namibia aus dem Frühjahr 1977 nicht für gescheitert erklären.

Der Bure tritt ab

Der Rücktritt Balthasar Johannes Vorsters vom Amt des südafrikanischen Regierungschefs kommt dem Abgang eines Schiffskapitäns auf hoher, schwerer See gleich: Südafrika hat sich soeben mit seiner eigenwilligen Politik in Namibia den frischen Zorn des Westens zugezogen, und seine Zukunftsaussichten erscheinen jetzt düsterer als je zuvor.

Niemand wünscht einen Skandal

Die Kriegsschiffe, auf denen er sich mit dem Chef des Rebellenregimes traf, trugen beruhigende Namen wie "Fearless" (der Furchtlose) und "Tiger".

"Europa ist das neue Bethlehem"

In einer Erklärung kurz vor seinem Abflug aus Köln forderte Kardinal Wyszynski als Ergebnis seines fünftägigen Aufenthaltes eine zielbewußte Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen.

Kein Friede

In der zuletzt hart umkämpften Stadt Esteli bietet sich nach Augenzeugenberichten ein Bild des Grauens: Die Zahl der Toten könne nicht ermittelt werden, weil die auf der Straße liegenden Leichen von Geiern und Hunden aufgefressen werden.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Eine merkwürdige Gemeinsamkeit ist zu vermelden: koalitionsnahe und koalitionsferne Journalisten tadelten und Kanzler wegen seiner Rede in der Haushaltsdebatte.

Kanton Jura

Mehr als 82 Prozent der wahlberechtigten Eidgenossen folgten damit den Empfehlungen ihrer Bundesregierung in Bern, der Parteien und zahlreicher großer Organisationen des Landes.

Rotes Nancy

Jean-Jacques Servan-Schreiber (54), gemeinsamer Kandidat der bürgerlichkonservativen Regierungsmehrheit nach nach dem ersten Wahlgang und Vorsitzender der liberalen "Radikalen Partei", erhielt im zweiten Wahlgang in der lothringischen Industriestadt Nancy nur 41,55 Prozent der Stimmen und mußte seinen Parlamentssitz dem Sozialisten Yvon Tondon überlassen.

Kein Maulkorb für die Polizei

Nach dem mörderischen Feuergefecht zwischen zwei Polizeibeamten (ein Polizist erschossen, einer schwer verletzt) und drei Terroristen in einem Waldstück nahe der Sauerland-Autobahn bei Dortmund am letzten Wochenende ereignete sich Erstaunliches: Die Polizei gab von Anbeginn freimütig Auskunft über alles, was sie wußte.

Fluchthelfer im Visier: Die DDR grollt weiter

Man braucht nie lange zu suchen, wenn man der DDR-Presse entnehmen will, was sie der Bundesrepublik alles vorzuwerfen hat. Im SED-Blatt Neues Deutschland, auf der zweiten Seite links unten, steht’s fast täglich: "Grenzverletzer festgenommen", "Wegen Mißbrauchs des Transitabkommens auf frischer Tat festgenommen", "Kurier der kriminellen Mierendorff-Bande verurteilt", "Grenzverletzer aus Berlin (West) verurteilt" oder "Verkehrsgefährdung durch BRD-Bürger".

Entschärfte Praxis

Zwei Hamburger Lehrer, Beamte auf Lebenszeit und Mitglieder der DKP, brauchen die Entlassung aus dem Dienst nicht mehr zu fürchten.

Vom roten Spaltpilz befallen

Vor; der Wahl der Hamburger Bürgerschaft am 4. Juni gab sich die "Bunte Liste", eine lockere Vereinigung verschiedenster Initiativen mit den unterschiedlichsten fielen, einig, selbstbewußt und siegessicher.

Fernseh-Zeit: heute-journal contra TT

Als kürzlich eine CSU-Riege um den Sudetendeutschen-Sprecher Walter Becher zugleich auf die "Tagesthemen" und auf das "heute-journal" des ZDF eindrosch und beide Sendungen der Vermengung von Kommentar, und Nachricht bezichtigte, passierte etwas sehr Bezeichnendes.

Mutige Linke

Die Berliner waren wieder einmal schneller. Am vergangenen Wochenende brachte die erste linke Tageszeitung ihre Vorausnummer heraus, zum Anschauen und Abonnieren.

Einsame Birgit

Birgit und Corinna aus dem Bundesland Bremen sind zu frühem Ruhm gekommen. Die kleinen Mädchen, beide sechs Jahre alt, kennen einander nicht, denn Birgit wohnt in Bremerhaven, Corinna in Bremen.

Wir vergeben und bitten um Vergebung

Wer entsinnt sich noch der Brückenbauer, wenn die Wege über Abgründe für jedermann befahrbar geworden sind? Seit jenem mutigen Dialogversuch, mit dem Polens Bischöfe 1965 bei den deutschen Katholiken um Verständnis für die Grenze an Oder und Neiße warben, ohne ein ermutigendes Echo zu finden, dauerte es dreizehn Jahre bis jetzt die Versöhnung durch eine Reise des Kardinalprimas Wyszynski in die Bundesrepublik besiegelt wurde.

Wanderer ins Nichts

Die ersten Jahre der Weimarer Republik waren ständige Bürgerkriegssituation. Von ihren Anfängen an hatte die junge Republik um das Überleben zu kämpfen.

Streit um des Kaisers Bart

Der alte Streit darüber, ob Familien mit Kindern durch Steuerfreibeträge oder durch die Zahlung von Kindergeld am besten geholfen werden könne, feiert in diesen Tagen fröhliche Urständ.

Eine "gewisse Stabilisierung"

Fast fünf Jahre lang haben sie eine Enttäuschung nach der anderen hinnehmen müssen, doch sie haben, sich, trotz allem, nicht unterkriegen lassen: Die Optimisten unter den Konjunkturpropheten in der Bundesrepublik wittern wieder einmal Morgenluft.

Bonner Kulisse

Die Zahl der externen Berater, auf die Forschungsminister Volker Hauff zurückgreifen kann, wenn von der Industrie beantragte Forschungsprojekte fachlich begutachtet werden sollen, ist inzwischen auf etwa 1100 gestiegen.

Mitbestimmung – Ärgernis und Chance

Das "gewisse Talent zur Einteilung", das er für sich reklamiert, das braucht er wirklich, der Professor Rolf Rodenstock. Schon bisher hat den Mann, was er tat, beschäftigen können: die Führung seines kaum noch mittelständisch zu nennenden Optik-Konzerns (350 Millionen Mark Umsatz); die Arbeit in sechs Aufsichtsräten (darunter: Esso und Philips); die vielfältigen übrigen Ämter – "siebzehn, habe ich gelesen"; und die betriebswirtschaftlichen Vorlesungen an der Universität München.

Währungspolitik: Gemeinsam gegen die Inflation

Pöhl: Ich glaube, daß dies die übereinstimmende Auffassung der wichtigsten auf der Konferenz vertretenen Länder ist, daß die Zahlungsbilanzungleichgewichte erheblich reduziert werden dürften.

Alter Hund mit neuen Tricks?

Plötzlich sieht Jimmy Carter wie ein richtiger Präsident aus. Seine erfolgreich erscheinende Vermittlerrolle im Nahostkonflikt hat die nagenden Zweifel an den Führungsqualitäten des Weißen-Haus-Bewohners – vorerst zumindest – ausgeräumt.

Sehr gute Chancen

Kopper: Die Unterschrift unter diesem Protokoll ist – um es in der Sprache der Raumfahrt auszudrücken – noch nicht die Landung auf dem Mond.

Zeitraffer

Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, ist optimistisch. Seine Statistiker haben festgestellt, daß die Arbeitslosigkeit in den vergangenen zwei Jahren jeweils im September spürbar zurückgegangen ist: 1976 sank die Zahl um 43 000 auf 890 000 und 1977 um 52 000 auf circa 911 000.

Manager und Märkte

Nehmen wir zum Beispiel die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot. Sie verschickte an Fachleute und Journalisten, die sich dafür halten, die Einladung zu einer Vortragsveranstaltung, Thema: "Aktuelles aus dem Steuer- und Prämienrecht.

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