Ein Abkommen, das unlängst bei den deutsch-französischen Konsultationen in Aachen getroffen wurde, steht gewiß unter einem guten Stern. Es ist die Vereinbarung über einen Beamtenaustausch zwischen beiden Ländern, der 1979 beginnen soll. Als "guter Stern" aber kann eine Institution den Weg beleuchten, die seit nunmehr 15 Jahren mit größtem Erfolg arbeitet: das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Damals schufen Adenauer und de Gaulle etwas Neues: eine autonome Organisation mit dem Ziel, daß der "deutschen und französischen Jugend alle Möglichkeiten geboten werden, um die Bande, die zwischen ihnen bestehen, enger zu gestalten und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen". Dafür trugen (1963) beide Staaten insgesamt 40 Millionen Mark zusammen, und es begann eine Arbeit, für die 1977 immerhin noch fast 32 Millionen zur Verfügung standen.

Wesentlich ist, daß seit 1973 nur eine einzige Verwaltung besteht mit dem Sitz in Bad Honnef bei Bonn. Hier steuert der vielgewandte, couragierte und humorvolle Pierre Gril als Generalsekretär einen tüchtigen, gleicherweise aus Deutschen und Franzosen zusammengesetzten Stab, der sich rühmen darf, im Laufe der Zeit vier Millionen junge Menschen beider Völker einander nahegebracht zu haben.

Konnte der Monde schreiben, die Jugend beider Völker habe den Vertrag des gegenseitigen Vertrauens und der Freundschaft längst ratifiziert – und diese Pariser Zeitung schrieb es im letzten Frühjahr, als die französische Links-Intellektuelle uns Deutschen wieder einmal mißtraute – so hat das "Jugendwerk" an diesem Erfolg den größten Anteil.

Nun könnte man bedauern, daß nach der Regel des "DFJ" einem französischen Generalsekretär ein deutscher folgen muß (und umgekehrt), denn-Pierre Gril ist ein Verwaltungs-, ein Verhandlungs-, ja, ein Überzeugungsgenie. Immerhin läßt er, kehrt er demnächst nach Frankreich heim, das Beispiel zurück, wie deutsch-französische Arbeitsgremien geformt werden können, in denen Herkunftsverschiedenheiten nur Nuancen, Nationaltemperamente höchstens anregende Farben im Bild des ganzen sind.

Und wenn es erlaubt ist, "persönlich zu werden" ... In Frankreich lebend und hier Steuern zahlend, habe ich mir wiederholt den Kopf an dem Zaun gestoßen, der die Beamten beider Länder trennt. Beispiel: Was, wenn eine Bonner Finanzbehörde den Stempel des französischen Finanzamtes nicht anerkennt, dem ich meine Steuer entrichte? Nicht den Stempel, nicht die Titel und Bezeichnungen der Beamte?

Die Sprachschranke ist’s – nicht allein, die hier im Wege steht. Auch fehlt’s nicht an Höflichkeit oder Bereitschaft, Klarheit zu bekommen und zu helfen. Es fehlt an gemeinsamer Beamtenpraxis.