Mit großer Mehrheit haben sich die Schweizer Stimmberechtigten für die Gründung des neuen Kantons Jura ausgesprochen.

Mehr als 82 Prozent der wahlberechtigten Eidgenossen folgten damit den Empfehlungen ihrer Bundesregierung in Bern, der Parteien und zahlreicher großer Organisationen des Landes. Nur die Stimmbezirke der drei südjurassischen Bezirke, Moutier, Courtelary und La Neuveville, die beim Kanton Bern verbleiben, haben sich gegen den neuen Kanton ausgesprochen.

Zum erstenmal seit der Gründung des eidgenössischen Bundes im Jahre 1848 wird mit der Bildung des neuen Kantons eine territoriale Veränderung in der Schweiz vorgenommen. Dadurch wurde auch eine Änderung der Verfassung notwendig, in deren erstem Artikel die Zahl der "durch gegenwärtigen Bund vereinigten Völkerschaften der zweiundzwanzig souveränen Kantone" auf nunmehr 23 zu erhöhen war.

In dem Kampf um ihre Selbständigkeit hatten die katholischen und französischsprachigen Jurassier nicht immer die Sympathie der übrigen Eidgenossen. Da es mitunter zu Gewalttätigkeiten kam, wurde ihnen sogar vorgeworfen, sie wollten im Nordwesten der friedlichen Schweiz ein zweites Nordirland schaffen.

Dabei ging es den vermeintlichen "Separatisten" nie um ein Ausscheiden aus der Eidgenossenschaft oder gar um den Anschluß an Frankreich, sondern nur um die "Befreiung" vom Kanton Bern mit seiner deutschsprechenden Verwaltung. Seit 1815 hatte die "Berner Besatzung" des Nordjura gedauert. U. V.