Thomas Thilo erklärt gleich zu Anfang seiner "Klassischen chinesischen Baukunst", was mit "klassisch" gemeint ist: "weniger eine bestimmte Periode als vielmehr das Typische, das die Gipfelleistungen der chinesischen Architekturtradition durchdringt". So ist denn auch der Typus Ausgangspunkt aller Erörterungen, der Typus und seine unendlichen, durch Schmuck bereicherten Variationen, mit denen Bauherrn einander zu übertreffen versuchten. Wie überraschend dies und vieles andere dem Neuling im Metier auch ist – Thomas Thilo stellte es einleuchtend dar: die sich aus Grundformen (des Hauses) entwickelnde, der Symmetrie und achsialen Beziehungen gehorchende Architektur, ihre in Ensembles und im Städtebau wiederkehrende formale Ordnung, die den Bauwerken – Häusern, Palästen, Tempeln – zugrundeliegenden Konstruktionen, besonders die der Holzbauten mit ihrem raffiniert einfachen Spiel von Säulen, Längs- und Querbalken und den unerwartet kunstvollen Konsolensystemen, die sie mit den Sattel-, Walm-, Kreuz- oder Krüppelwalmdächern verbinden, mit den Türen, den Fenstern mit ihren dekorativen geometrischen Diminutionen. Natürlich werden auch der Massivbau (aus Stein) behandelt – Mauern (mitsamt der großen), Brücken, Gewölbebauten, Pagoden und so weiter – und selbstverständlich auch der Städtebau und seine Grundlagen im sozialen Gefüge. Wie nun die 1911 zu Ende gegangene (monarchische) Bautradition unter den neuen politischen Bedingungen eine sinngemäße Fortsetzung finden wird – das ist die Frage, mit der das preiswerte, gut illustrierte, mit einem Registerapparat versehene und schön gemachte Buch endet. (Edition Tusch, Wien, 1977; 252 S., Abb., 42,– DM.) Manfred Sack