Sie war jung und schön und zierte die Titelblätter von Cosmopolitan und Redbook. Er jagte seiner verlorenen Jugend nach und seinem verlorenen Ruf; Das 100 000-Dollar-Gesicht und der einst berühmte Pferdetrainer. Als Teenager, der unerfahren, aber mit dem Willen zum Erfolg nach New York kam, liebte sie ihn. Dann hörte sie auf, ihn zu lieben und wandte sich einem anderen Mann zu, denn der war jünger und auf dem Weg nach oben.-Das Drama begann auf Manhattans eleganter Upper East Side. Und dort endete es jetzt mit Mord.

Das ist keine Film-Story, sondern die wahre Geschichte vom hochtourigen Leben dreier Menschen – und möglicherweise noch einer ganzen Reihe anderer. Der "saftigste Mord von New York seit Jahren", wie ein Detektiv ihn nannte, wird von Gerüchten um Rauschgifthandel und Prostitution verdunkelt. Auch ein tödlicher Sturz vom Balkon im 17. Stock eines benachbarten Gebäudes wird gleichzeitig untersucht.

Im Zentrum des Sturms steht Melanie Cain, heute 23 Jahre alt. Mit 18 kam sie aus Naperville, einer Kleinstadt im Staat Illinois. Dort erinnern sich die Leute noch, daß Melanie in der Schulaufführung von "Bus Stop" die Rolle der Marilyn Monroe gespielt hat. Die große Stadt New York war gnädiger zu Melanie als zu anderen Neuankömmlingen mit den gleichen Ambitionen. Die Modellagentur Eileen Ford gab ihr schon bald einen Vertrag. Mit zwei anderen Mannequins zog sie in ein Haus an der 84. Straße. Der Vermieter wohnte eben über den Flur.

Melanie mochte Buddy Jacobsen. Er sah ein wenig aus wie Charlie Chaplin: hageres Gesicht, Schnauzbart, dunkles wirres Haar. Er sagte, er sei 29 und trug einen Ausweis bei sich, der es bewies. Als Nachbarn ihr erzählten, daß Buddy log, machte Melanie sich keine Gedanken. Er war 43 und geschieden.

Ein Jahr später zog sie zu ihm. Er gründete eine Modellagentur mit Melanie als Star und dem Namen "My Fair Lady", dem Titel ihres Lieblingsmusicals. Sie investierte mächtig in das neue Unternehmen. Ihre Freunde sagen, sie habe sich auch in Buddys Pferdebestand eingekauft. Schon bald war ihr Leben wie ihr Lebensunterhalt fest mit Buddy Jacobsen verwoben.

Trotz Melanies Erfolg – sie verdiente bis zu 100 000 Dollar im Jahr – kam die Agentur nicht recht auf die Füße. Später gab es Gerüchte, daß sie nur ein Tarnunternehmen für einen Call-Girl-Ring sei. Eine Eintragung im Telephonbuch machte die Polizei stutzig: Unter Jacobsens Spitznamen, "Zzzzyp Budd", war die gleiche Telephonnummer angegeben wie unter der Agentur.

Durch einen Onkel, der einen guten Ruf im Renngeschäft hatte, war Jacobsen auf Pferde verfallen. 1949 verließ er die High School ohne Abschluß und ließ sich in Florida zum Pferdetrainer ausbilden. Nach 15 Jahren hatte er 190 siegreiche Pferde gesattelt und zum drittenmal den Titel des erfolgreichsten Trainers des Jahres gewonnen. Seine Kollegen mochten ihn nicht besonders. "Pferde", pflegte Buddy zu sagen, "sind wie Maschinen. Jockeys steuern nur." 1970 kam er in Schwierigkeiten. Seine Geschäftspartner klagten ihn der Veruntreuung riesiger Summen an. Seine Karriere fand bald darauf ihr Ende, seine Ehe auch. Er war jetzt 39.