Rolf Rodenstock will keinen sturen Konfrontationskurs fahren

Von Rainer Frenkel

Das "gewisse Talent zur Einteilung", das er für sich reklamiert, das braucht er wirklich, der Professor Rolf Rodenstock. Schon bisher hat den Mann, was er tat, beschäftigen können: die Führung seines kaum noch mittelständisch zu nennenden Optik-Konzerns (350 Millionen Mark Umsatz); die Arbeit in sechs Aufsichtsräten (darunter: Esso und Philips); die vielfältigen übrigen Ämter – "siebzehn, habe ich gelesen"; und die betriebswirtschaftlichen Vorlesungen an der Universität München.

Nun kommt ein Amt dazu, von dem es heißt, er habe längst danach getrachtet, das er vor einem halben Jahr dennoch nicht haben wollte, das ihn zwingen wird, einiges andere, etwa die Führung des Instituts der Deutschen Wirtschaft, aufzugeben: Rolf Rodenstock wurde von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zum Präsidenten erkoren. Nun ist er, vorerst bis Ende 1980, der höchste Würden- und Bürdenträger der deutschen Industriellen.

Eigentlich waren Rolle und Periode dem Nikolaus Fasolt zugedacht, der sie auch hatte ausfüllen wollen, aber – nach ein paar Monaten Amtszeit – nicht mehr hatte haben sollen. Fasolt, ohnehin eine späte Wahl der BDI-Strategen, hatte als Präsident wenig, als unglücklicher Unternehmer und – im Zusammenhang mit CDU-Spenden – als unkonventioneller Steuerzahler dafür um. so mehr von sich reden gemacht.

Als es sich schließlich so fügte, daß die Banken die Sanierung seines maroden Fliesenwerks davon abhängig machten, daß er seine ganze Kraft demselben zur Verfügung stelle, fügte sich auch Nikolaus Fasolt. Er trat zurück.

Und wiewohl Fasolts Amtsführung dem pflegebedürftigen öffentlichen Ansehen der deutschen Unternehmer gewiß geschadet hat, ist Rodenstocks Loyalität zur Person des Vorgängers noch so beschaffen, daß er der Versuchung, sich von ihm zu distanzieren, sich damit ins Licht zu stellen, widersteht. Er bezeugt den "objektiven Gründen" für Fasolts Entschluß seinen Respekt, sieht sich jedoch auf Befragen nicht in der Lage, sich vorstellen zu können, daß ihm bei Amtsantritt aus der eigenen Firma soviel Unheil unbekannt sein könne, wie das damals bei Fasolt war. Nein, die Optischen Werke G. Rodenstock "bringen durchaus vernünftige Erträge".