Von Markus Mäder

Fahrräder mieten kann man in Peking meines Wissens nicht – aber kaufen. Man läßt sich per Bus oder Taxi ins Ausländerwarenhaus "You Yi Schang Dian" kutschieren und sucht sich ein passendes Modell, Preis etwa 170 Yüan. Die Fahrt auf der Chang An Straße zurück ins Peking-Hotel ist dann bereits der erste Ausflug.

Am Abreisetag; wird das Gefährt in eben demselben "You Yi Schang Dian" wieder an den Mann gebracht – praktisch zum Neuwert. Der Gebrauchtwarenhandel steht in Hochblüte in dieser Stadt. Kenner chinesischer Fahrräder empfehlen die Schanghaier Marke "Yong Jiu", da bei ihr weniger Kinderkrankheiten zu befürchten sind als etwa bei "Phönix" oder "Fliegende Taube". Modelle mit Übersetzungen sind nicht nur sehr rar, sondern auch unnötig: Peking ist topfeben.

Stadtkarten in verschiedenen Sprachen verkauft die große chinesische Buchhandlung an der Wang Fu Djing Straße. Sich zu verirren ist fast unmöglich, denn die Pekinger Straßen sind fast alle auch in Pin Yin Umschrift lateinisch beschildert; zudem dienen sie selber als Kompaß. Sie führen auch in den neuen Stadtteilen nach alter kaiserlicher Sitte sauber rechtwinklig von Nord nach Süd und von Ost nach West. Schwierig ist also nicht, sich zu orientieren, schwierig ist allein, die Entfernungen zu bewältigen. Peking ist nicht nur flach, sondern auch weitläufig.

Die Ziele sucht man sich im Reiseführer. Um die Paläste und Tempel betreten zu können, kauft man eine Karte am Eingang, wie zu Hause, und wie die Chinesen auch. Dazu braucht’s, weiß Gott, keinen Reiseleiter.

Vom zentral gelegenen Peking-Hotel aus sind der Tien An Men Platz und der Kaiserpalast gerade noch erreichbar. Zum wiedereröffneten Behai-Park ist es eine schöne Fahrt, vielleicht morgens um sechs Uhr, wenn die Schattenboxer in der ersten Morgensonne ihre Übungen machen. Bis der offizielle Bus um neun Uhr auf Besichtigungstour geht, ist man schon wieder zurück im Hotel.

Zum Himmelstempel reicht ein halber Tag. Mit kleinen Haken nach links und rechts führt der Weg durch die traditionellen Quartiere der südlichen alten "Chinesenstadt". Hier trippeln noch die alten Frauen mit gebundenen Füßen durch die Gassen, andere schleppen Wasser in Kübeln an Schulterstangen, und alte Männer mit Bärten hocken auf Schemeln und spielen "Hsiang Ji" und "Wei Ji" (chinesische Arten von Schach) vor der Haustür. In diese schmalen Gassen fährt kein Taxi. Hier zeigt sich, was sich in China seit der Befreiung geändert hat: Es ist kein Elend mehr zu entdecken.