Wie Rexroth seinen Pensionären den Übergang in den Ruhestand erleichtert

Von Michael Jungblut

Eine Werkstatt wie diese gibt es in der Bundesrepublik nicht noch einmal – und vielleicht sollte es nach Ansicht vieler Arbeitsmarktpolitiker nicht einmal diese geben, da sie so gar nicht in die heutige politische Landschaft zu passen scheint. Denn während fast kein Tag vergeht, ohne daß DGB-Chef Vetter oder andere Gewerkschaftsführer eine Arbeitszeitverkürzung fordern und von der einen oder anderen Seite die Senkung des Rentenalters als eine der Möglichkeiten angepriesen wird, den Arbeitsmarkt zu entlasten, wird hier älteren Menschen die Möglichkeit geboten, bis weit über die gesetzliche Altersgrenze hinaus produktiv tätig zu sein. Seit elf Jahren verfügt die Firma Rexroth in Lohr am Main über eine Sonderwerkstatt für Pensionäre, die bis heute in ihrer Art einmalig geblieben ist.

Der damalige Mitinhaber und Chef des heute voll zum Mannesmann-Konzern gehörenden Maschinenbauunternehmens, Georg Ludwig Rexroth, wollte mit der mitten im "Talsohlenjahr" 1967 gegründeten Werkstatt der heute auch von dem CDU-Politiker Norbert Blüm beklagten "Fallbeil-Wirkung" der Altersgrenze entgegenwirken, dem abrupten Bruch zwischen Arbeitsleben und – meist unvorbereiteten – Ruhestand.

"Wir wollen damit den Pensionsschock mildern, unter dem viele Menschen leiden, die von einem auf den anderen Tag aus dem gewohnten Rhythmus herausgerissen werden, plötzlich keine Aufgabe mehr haben", erläutert Rexroth-Personalchef Eugen Tatarko den Sinn dieser von ihm mit großem Engagement betreuten Einrichtung. "Die Älteren verkraften den Wechsel psychisch und gesundheitlich besser, wenn ihnen, die Gelegenheit geboten wird, sich schrittweise aus dem Arbeitsleben zu verabschieden." Doch dies ist für Männer und Frauen im Rentenalter heute angesichts der Arbeitsmarktlage und einer Sozialgesetzgebung und Tarifpolitik, die nur auf die materiellen, nicht aber auf die seelischen Bedürfnisse der Altersrentner zugeschnitten ist, für den einzelnen meist recht schwer.

"Da wird man morgens zur gewohnten Zeit wach, bleibt aber im Bett liegen, weil man nicht weiß, warum man eigentlich aufstehen soll und wozu man noch lebt", erläutert einer der alten Herren bei Rexroth, warum er sich um einen Platz in der Sonderwerkstatt beworben hat. "Da fängt man aus lauter Langeweile an, über alle, möglichen Beschwerden, nachzudenken – und wird dann erst richtig krank."

Bei Rexroth wurde lange darüber nachgedacht, wie die Pensionärsarbeit am besten zu organisieren sei. Um keine Gettoatmosphäre entstehen zulassen, bot es sich zunächst an, die aktiven Rentner an geeigneten Plätzen innerhalb des Betriebes zu beschäftigen, wo eine stundenweise Anwesenheit genügt und die Älteren nicht im allgemeinen Arbeitstempo mithalten müssen. Sie haben dort die vertraute Atmosphäre, Kontakt zu den jüngeren Kollegen und nicht das Gefühl einer Sonderbehandlung.