Eine merkwürdige Gemeinsamkeit ist zu vermelden: koalitionsnahe und koalitionsferne Journalisten tadelten und Kanzler wegen seiner Rede in der Haushaltsdebatte. Der Kommentator der "Westfälischen Allgemeinen", Maruhn, beklagte, Schmidt sei mit Oppositionsführer Kohl zu rüde umgesprungen, und FAZ-Herausgeber Fack stellte, unglaublich aber wahr, Willy Brandt dem Kanzler als leuchtendes Beispiel vor Augen.

In der Tat hat der Kanzler, zumindest in diesem Punkt ein Musterschüler Konrad Adenauers, den Oppositionsführer sehr schmerzhaft und zuweilen mit süffisanter Niedertracht gepiesackt. Strauß behandelte er als respektierten Kontrahenten, Kohl als Watschenmann.

Schmidts rhetorisches Arsenal war eindrucksvoll: Mitleidige bis höhnische Erkundigungen, wie denn Kohl die Bevormundung durch Strauß ertrage und wer denn die Opposition in Bonn dirigiere, wenn der Bayer seine Geschäfte von München aus betreiben müsse; genüßliches Entwerfen von Schlachtengemälden ("Ich kann mir schon richtig vorstellen, wie der Herr Kohl dem Strauß etwas tut"); herabsetzende Vergleiche mit Adenauer ("Mein Gott, was für ein Nachfolger"); taktlose Gemeinheiten ("Die Weltöffentlichkeit hat Sie noch gar nicht zur Kenntnis genommen").

Die Reaktion: Ohnmächtige Zwischenrufe wie "blanke Demagogie" oder "erbärmlicher Stil", hochroter Kopf, nervöses Herumrutschen auf dem Sitz. Kohl ärgerte sich maßlos. Er schmiß einen großen Teil seines Manuskripts weg und prügelte gewaltig, aber mit mäßiger Eleganz zurück. Einer seiner Mitarbeiter meinte traurig: "Er hatte wirklich eine gute Rede vorbereitet."

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Wie Kohl bei den Attacken des Kanzlers hie und da die Spucke wegbleibt, so geht es der SPD seit Jahr und Tag mit der ihnen von Unionspolitikern unterstellten nationalen Unzuverlässigkeit und der fahrlässigen, wenn nicht bewußten Kommunistennähe. Kostproben solcher Verdächtigungen lieferte Strauß in der Debatte einige.

Die SPD war empört, aber sehr auf Defensive eingestellt. Daß über die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland und der Nato nachgedacht werden kann, verteidigten die Sozialdemokraten hauptsächlich unter Berufung auf Zitate von Strauß und Adenauer – etwa nach dem Motto: Die durften ja auch, warum wir nicht?