Die Regierungsmehrheit in Frankreich hat bei einer Parlamentsnachwahl erneut eine Niederlage gegen die Linke einstecken müssen.

Jean-Jacques Servan-Schreiber (54), gemeinsamer Kandidat der bürgerlichkonservativen Regierungsmehrheit nach nach dem ersten Wahlgang und Vorsitzender der liberalen "Radikalen Partei", erhielt im zweiten Wahlgang in der lothringischen Industriestadt Nancy nur 41,55 Prozent der Stimmen und mußte seinen Parlamentssitz dem Sozialisten Yvon Tondon überlassen.

Nancy, eines der Zentren der französischen Stahlindustrie und von der Arbeitslosigkeit besonders betroffen, wird nun erstmals von einem Politiker aus dem linken Lager im Parlament vertreten werden. Damit könnte auch die politische Karriere des dynamischen Servan-Schreiber vor ihrem Ende stehen.

In einem der ersten Kommentare nannte Servan-Schreiber die anhaltende Arbeitslosigkeit und Stahlkrise als Gründe für seine Niederlage: "Die Wahl war Ausdruck des Protests gegen die von Premierminister Barre verantwortete Politik und Forderung der Bürger auf das Recht nach Arbeit."

Etwas günstiger steht es zumindest derzeit noch für die Regierungsmehrheit bei der fünften und letzten Nachwahl in einem Pariser Stimmbezirk. Dort konnte der Gaullist Christian de la Malene, rechte Hand von Parteichef und Bürgermeister Jacques Chirac, im ersten Wahlgang leichte Vorteile gegenüber den Linkskandidaten für sich verbuchen. Am Sonntag muß er sich allerdings erneut den Wählern stellen. lkl