• Eine deutsche Delegation hat in Peking ein Rahmenprotokoll über die Lieferung deutscher Industriegüter im Wert von acht Milliarden Mark unterzeichnet. Ist das der Einstieg in ein riesiges China-Geschäft?

Kopper: Die Unterschrift unter diesem Protokoll ist – um es in der Sprache der Raumfahrt auszudrücken – noch nicht die Landung auf dem Mond. Der vergleichbar bedeutende Schritt wäre in diesem Fall die Unterzeichnung der ersten Liefer- und Finanzierungsverträge. Das gegenwärtig Erreichte sollten wir korrekterweise als Rahmenvereinbarung über mögliche Lieferungen der deutschen Industrie bezeichnen. Dabei ist in das Protokoll aufgenommen worden, daß die die Delegation begleitenden Banken sich dafür einsetzen werden, erforderlichenfalls die Finanzierung der Lieferungen sicherzustellen.

  • Bei Kreditgeschäften mit der Sowjetunion hat die Zinshöhe eine andere Rolle gespielt als bei Verhandlungen mit westlichen Ländern. Muß man erwarten, daß auch die Volksrepublik China von einer bestimmten Zinshöhe an ideologische Bauchschmerzen vortäuschen wird?

Kopper: Die Zinshöhe wird natürlich ein sehr wesentlicher Verhandlungspunkt sein – schließlich ist der Zins der Preis für unsere Ware. Das hat sich schon bei den chinesisch-japanischen Verhandlungen gezeigt. Aber wir gehen davon aus, daß es sich um Gespräche unter Kollegen und Fachleuten handeln wird. Schließlich ist die Bank of China international vertreten. Sie bewegt sich international in einem Umfeld wie jede andere Bank und ist über die Marktlage hervorragend unterrichtet.

  • Ist denn die bisher abgekapselte Volksrepublik China überhaupt in der Lage, den Kapitaldienst für Kreditengagements größeren Stils aufzubringen?

Kopper: Soweit wir wissen, hat die Volksrepublik China im ersten Halbjahr 1978 Waren im Wert von 4,9 Milliarden Dollar ausgeführt und gleichzeitig für 4,65 Milliarden Dollar importiert, mithin einen Exportüberschuß von einer halben Milliarde Dollar erzielt. Die Situation bei den Der visenreserven ist keineswegs schlecht. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel unterhielt China Ende 1977 bei westlichen Banken Guthaben von 2,48 Milliarden Dollar, denen Verpflichtungen der Bank of China gegenüber westlichen Ländern von nur 455 Millionen Dollar gegenüberstehen. Die Chinesen haben also durchaus Reserven. Diese sind im ersten Halbjahr 1978 sogar um eine weitere Viertelmilliarde Dollar gestiegen.

  • Wie sieht es denn überhaupt mit der Exportfähigkeit Chinas aus – besteht nicht die Gefahr, daß die Öffnung nach Westen zu einer Einbahnstraße wird?