Es war eine schwere Stunde für Generalbundesanwalt Kurt Rebmann: Drei Wochen, nachdem der Bundestag die parlamentarische Immunität des SPD-Abgeordneten Uwe Holtz wegen Spionageverdachts aufgehoben hatte, mußte Rebmann gestehen, daß die obersten Ankläger einer Ente aufgesessen waren: Der Verdacht, von dem in den Westen übergelaufenen rumänischen Geheimdienst-General Pacepa lanciert, ist gänzlich unbegründet; Holtz und der mit ihm beschuldigte Bahr-Referent Broudre-Gröger sind unschuldig.

Wir könnten uns mit der vergleichsweise raschen Rehabilitierung der Beschuldigten zufriedengeben, handelte es sich um einen Routinefall. Doch hier stellen sich die eigentlichen, die politischen Fragen in voller Schärfe erst nach der Antwort auf die juristischen: Soviel Laienhaftigkeit ist den Bundesanwälten kaum zuzutrauen, daß sie geglaubt hätten, sie könnten einen wirklichen Spion überführen, indem sie ihn zunächst einmal spektakulär warnen – durch den Antrag, seine parlamentarische Immunität aufzuheben.

Vieles spricht dafür, daß die Bundesanwaltschaft unter Druck stand. Der Fall war offenbar schon nicht mehr geheim, als er in Karlsruhe auf den Tisch kam. Publizistische und politische Mitwisser standen auf dem Sprung, der Bonner Regierungskoalition daraus einen Strick zu drehen. Hätten die Karlsruher Ankläger, wie es die Vernunft gebot, zunächst diskret ermittelt, hätten sie sich leicht dem Vorwurf politischer Begünstigung ausgesetzt. Das ist für Berufsjuristen allemal schlimmer, als sich lächerlich zu machen. So mögen die Bundesanwälte – zumal während der Urlaubsabwesenheit ihres Chefs – den planmäßigen Schlag ins Wasser der schier unabwendbaren Kränkung ihrer Ehre vorgezogen haben. Sie wirkten dabei freilich – zur eigenen Entlastung – am Rufmord zu Lasten der Beschuldigten mit. H. Sch.