Im Konflikt mit den Gewerkschaften stehen die Ford-Werke auf der Regierungsseite

Henry Ford II erschien 1971 während eines Streiks, der schließlich neun Wochen dauerte, in Großbritannien, ließ sich über Arbeitsprobleme und Produktivität informieren und bemerkte, er könne seinem Vorstand "guten Gewissens keine neuen Investitionen in Großbritannien empfehlen". Es war eine (schließlich nicht verwirklichte) Drohung, die ihn für die Ford-Gewerkschaften zum multinationalen Buhmann machte.

Jetzt mag sich Henry Ford, der sich für Mitte Oktober bei Ford of Europe zur vierteljährlichen Überprüfung der Operationen in dieser Sphäre seines Imperiums angesagt hat, zu einer Wiederholung seines Kommentars provozier: fühlen. Denn es ist durchaus möglich, daß dann die Produktion in den 23 Werken in Großbritannien noch ruht und über 70 000 Arbeiter und Angestellte feiern, weil der starke Arm der Gewerkschaften es so will.

Bei dem Streik von 1971 handelte es sich um einen direkten Lohnkampf, in dem die Gewerkschaften die Forderung nach Lohngleichheit mit den Arbeitern in den Autowerken der Midlands in den Vordergrund stellten. Diesmal ist ein unsichtbarer Dritter mit von der Partie: die Regierung. Ihre in eine Richtlinie geformte Politik, wonach in der laufenden Lohnrunde die Zulagen grundsätzlich nicht über fünf Prozent hinausgehen sollen, hat dem Management die Hände

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gebunden, die Gewerkschaften aber empört. Ford mit seiner für Großbritannien untypischen zentralen Lohnverhandlung wird zum ersten großen Test der Regierungspolitik, die als entscheidend für eine Fortsetzung der Anti-Inflationspolitik gilt.

Der Lohnabschluß bei Ford wird auch in Zeiten ohne staatliche Intervention weithin beachtet, Was Ford in seinen Betrieben zahlt, gilt als; eine der Marschzahlen für die Lohnbewegung in der metallverarbeitenden Industrie. Management und Gewerkschaften sind deshalb daran gewöhnt, daß das Tauziehen im vollen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stattfindet. Im letzten Jahr gingen die Verhandlungen relativ schnell über die Bühne. Ford brach die Zehn-Prozent-Richtlinie der Regierung und ging auf über zwölf Prozent. Die Regierung machte von der Waffe der Sanktion gegen den Lohnsünder keinen Gebrauch. Sie hatte gerade mühsam und unter Aufbietung von Überredungskunst und Subventionen das neue 350 Millionen Mark teure Ford-Motorenwerk nach Wales geholt, wo es jetzt außerhalb des Wahlkreises von Premierminister Callaghan hochgezogen wird.