Auf der Suche nach neuen Wachstumsbranchen

Von Wolfgang Hoffmann

In der vorigen Ausgabe der ZEIT wurde berichtet, daß nach Ansicht der Forschungs- und Prognoseinstitute Battelle und Prognos vor allem das Vordringen der Mikroelektronik zu dramatischen Veränderungen in der Berufswelt führen kann – und zu drastischer Arbeitslosigkeit, wenn es nicht zu entsprechenden Strukturveränderungen kommt. In der zweiten Folge werden neue "Wachstumsfelder" abgesteckt.

Noch ist es nur Science-fiction, aber eines Tages könnte es rauhe Wirklichkeit werden: Im Februar 1989 beschließen die in der Opec zusammengeschlossenen erdölfördernden Länder, der Industriewelt eine Radikalkur zu verordnen. Sie erhöhen den Ölpreis drastisch. Die Folge: Deutsche Heizölverbraucher müssen von heute auf morgen 80 Pfennig mehr für einen Liter leichtes Heizöl zahlen – statt 30 Pfennig nun 1,10 Mark.

Dennoch brauchen die Bundesbürger nicht ihre letzten Ersparnisse zusammenzukratzen oder den Rest des Winters im Kalten zu sitzen. Mehr noch: Ihre Weitsicht macht sich schneller bezahlt, als sie annehmen konnten. Weil sie zuvor nämlich alles getan haben, ihre Wohnungen so optimal wie möglich gegen Wärmeverlust zu isolieren, führt der neue Ölpreis dazu, daß sich die Investitionen für die Wärmedämmung nun schon nach neun Jahren amortisieren. Beim alten Preisstand hätte sich die Isolierung erst nach 33 Jahren bezahlt gemacht.

Diese Fiktion läßt sich aus dem jüngsten Gutachten der Prognos AG in Basel ableiten. Die Baseler haben im Auftrag der Stuttgarter Landesregierung "die längerfristige Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung in der Bundesrepublik und Baden-Württemberg" untersucht und sind dabei zu dem Ergebnis gelangt, daß – im ungünstigsten Fall – Ende 1990 die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik auf rund vier Millionen klettern könnte. Ursache dieser sozialen Katastrophe: neue elektronische Technologien, die eine gewaltige Rationalisierungswelle auslösen werden (ZEIT Nr. 40).

Mit so düsteren Aussichten wollten die Zukunftsforscher von Prognos ihren Auftraggeber freilich nicht allein lassen. Sie wandten sich daher nicht minder intensiv der Frage zu, durch welche wirtschaftlichen und sozialen Strategien sich eine derartige Katastrophe am Arbeitsmarkt verhindern lasse. Sie suchten nach bisher weitgehend unerschlossenen oder neuen Wachstumsfeldern für die Wirtschaft, auf denen zukunftssichere Arbeitsplätze sprießen könnten.