Zu Beginn dieses Jahres wollte der Indonesische Dienst der Deutschen Welle von seinen Hörern wissen, welches deutsche Industrieprodukt nach Meinung der indonesischen Hörer das bekannteste sei. Genau 312 von insgesamt 600 Hörern, die den Rundfunkleuten schrieben, entschieden sich für Deutschlands bestes Stück: "Marcedes", "Merzedis", "Mobil Merk-Benz", "Mercedes" eben. Daß selbst auf solchen indonesischen Inseln, die von den Reifen eines Mercedes noch nie berührt wurden, die bundesdeutsche Nobelmarke derart bekannt ist, empfindet in der Stuttgarter Firmenresidenz niemand als Sensation; sondern als Selbstverständlichkeit.

Zu danken hat die "Daimler-Benz Aktiengesellschaft" die weltweite Popularität ihrem Geschick, ihre Vehikel nicht nur mit Motor und Rädern auszustatten, sondern auch mit Attributen wie Sicherheit, Komfort, Solidität, Prestige, Tradition und Leistungsfähigkeit. Und mit einem Markenzeichen, das jedem Fahrer voranfährt: der "gute Stern auf allen Straßen". Der Mercedes-Stern.

Die Firmenchronik führt das unschätzbar wertvolle Zeichen auf Firmengründer Gottlieb Daimler zurück, der einmal auf einer Postkarte an seine Frau einen wegweisenden Stern gezeichnet und den Hinweis gegeben hatte, der werde segensreich über seinem Werk aufgehen. Erst 1909, neun Jahre nach Daimlers Tod, meldete die Daimler-Gesellschaft den Dreizack als Warenzeichen an.

Zur gleichen Zeit ließ Karl Benz, Gründer der "Benz & Co. Rheinische Gasmotorenfabrik", sein Markenzeichen bereits modifizieren. Aus dem Zahnrad, das seit 1903 den Namen Benz umgab, wurde ein Lorbeerkranz. Dem jeweiligen Zeitgeschmack angepaßt wurde auch der Daimler-Stern. 1916 wurde der Stern mit einem Kreis umgeben, in dem oben vier kleine Sterne, unten das Wort Mercedes aber auch die Namen der Daimler-Werke Untertürkheim oder Berlin-Marienfelde angebracht waren. Schon 1921 wurde die Kühlerfigur – der Dreizack-Stern im Ring – als Warenzeichen angemeldet.

Alter noch als Lorbeerkranz undDreizack ist der Markenname Mercedes, unter dem die Daimler-Wagen seit der Jahrhundertwende laufen. Der autoverrückte österreichische Großkaufmann Emil Jellinek, der in Nizza residierte, erregte schon 1897 mit seinem ersten Daimler an der Côte d’Azur beträchtliches Aufsehen. Die dort ansässige Finanzwelt und Aristokratie, sozusagen der Jet-Set der Jahrhundertwende, sprang gewissermaßen aufs Trittbrett. Damit stand dem Siegeszug des Automobilismus im allgemeinen und des Daimler im besonderen nichts mehr im Wege. Nachdem auf seine Anregung hin einige konstruktive Änderungen vorgenommen worden waren, bestellte der Österreicher 36 Wagen, die er – nach dem Namen seiner Tochter Mercedes benannt – exklusiv in einigen Ländern verkaufte. Seit 1901 wurden alle Daimlers Mercedes genannt.

In den Nöten von Inflation und Absatzschwierigkeiten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg beschlossen die Firmen Daimler und Weltderen Gründer sich nie persönlich kennengelernt haben, eine Kooperation bei Konstruktion, Fabrikation und Propaganda, wie die Werbung damals noch hieß. 1926 folgte die Fusion.

Das gemeinsame Markenzeichen, der Stern umgeben von Lorbeerkranz und den Wortmarken Mercedes und Benz, besteht bis heute fast unverändert. Und der Stern von einem schmalen Rand umgeben krönt – seit 1933 unverändert – den Kühler der Mercedes-Limousinen. Bis heute wurden über 5,6 Millionen Karossen mit dem "guten Stern" voran auf die Straßen der Welt geschickt. gf