Straßenbau

Freiburg

Einen Umweltskandal höheren Ranges in Rheinfelden" befürchtet SPD-Stadtrat Rudolf Schlaf. Und Oberbürgermeister Herbert King stöhnt am Telephon: "Ich kann das Wort Autobahn nicht mehr hören!" Die beiden Kommunalpolitiker erhitzen sich über ein 15 Jahre altes Projekt, das nun langsam real wird. Die Hochrhein-Autobahn von Lörrach nach Singen, offiziell A 98 getauft, eine letzte Masche im Autobahnnetz, geknüpft von Westen nach Osten.

Im schmerzhaften Entstehen dieser Autobahn, die das Rheintal mit dem Bodenseeraum verbinden soll und vom arglosen Autofahrer natürlich für dringend notwendig gehalten wird, spiegeln sich alle Skrupel, Zweifel, Kämpfe und Ideen, die heute eine Ausweitung technischer Anlagen, die Fortführung zuwachsorientierten Bauens begleiten. "ökologischer Unfug in einer äußerst empfindlichen Landschaft", schreibt denn auch Stadtrat Schlaf, und er zählt eine lange Reihe von Einwänden gegen diese Autobahn auf, die indessen bei Waidhof nahe Lörrach bereits gebaut wird und sich langsam auf Rheinfelden zuschiebt.

Das deutsche Hochrheintal, im Norden vom Schwarzwald begrenzt, südlich meist von der Schweiz, hat längst seine ursprüngliche Ruhe und Lieblichkeit eingebüßt. Industrie, wachsender Verkehr von Ost nach West – und umgekehrt – auf engen und kurvenreichen Straßen, dichte Besiedlung im Tal: Auf jede weitere Belästigung reagieren die Bewohner am Hochrhein allergisch. Rheinfelden, kaum zwanzig Kilometer vom Industriezentrum Basel-Lörrach entfernt, wird im oft drückenden Klima mehr noch als Säckingen und Waldshut von den Übeln moderner Umwelt heimgesucht.

Die neue Autobahn im Südwesten wird traditionell verlangt von Handel und Industrie, von den Automobilisten, den Behörden und der Kommunalverwaltung, dem Wirtschaftsminister rium in Stuttgart mit Autobahnamt. Seit 1962 ist sie als Schnellstraße im Gespräch, 1970 wurde sie zur Autobahn "aufgestuft", was Geld und Zuständigkeit des Bundes bedeutet. Bis etwa nach Waldshut hat sie nun die "Dringlichkeit 1 b" im Ausbauplan des Bundes, das heißt, daß sie bis dorthin wohl vor 1985 gebaut wird. Theoretisch sind drei Anbindungen an. die Schweizer Autobahn denkbar: an die N 3 Basel–Baden, an die N 4 Bargen–Schaffhausen–Winterthur und schließlich an die noch geplante und sehr unsichere Strecke Konstanz–Winterthur.

Doch sind die Schweizer ebenso sensibel geworden wie die Hochrhein-Badener. Was sie wohl am wenigsten gern ertragen, ist. eine "deutsche" Autobahn durch ihr Gebiet. Tatsächlich soll die neue Hochrhein-Autobahn durch den rechtsrheinischen Teil des Schweizer Kantons Schaffhausen geführt werden. Ob das möglich sein wird, ist unsicher, erscheint eher aussichtslos. Diese Straße ist weder im Schweizer Nationalstraßenprogramm noch im Generalverkehrskonzept der Schweiz (GVK) enthalten. Bis Ende 1979 braucht sie nicht einmal diskutiert zu werden, ganz abgesehen davon, daß es zwischen der Landesregierung in Stuttgart und der Kantonsregierung in Schaffhausen viele Jahre keine Gespräche mehr gab. Kantons-Ingenieur Hintsch gibt zu bedenken, daß diese Autobahn auch vom Schweizer Parlament beschlossen werden müßte. Auf dem Autobahnamt in Freiburg hofft man zwar, daß die Sensibilisierung der Bevölkerung eines Tages wieder zurückgehe, aber die Skepsis überwiegt.