Die Holding für Gemeinwirtschaft informiert die Öffentlichkeit nur spärlich

Von Kurt Hirche

Es hört sich vielversprechend an: "Gegenüber der Öffentlichkeit erfüllt sie Informationspflichten." So steht es im Geschäftsbericht 1977 der "Beteiligungsgesellschaft Gemeinwirtschaft AG" (BGAG). Und in einer aufwendigen Selbstdarstellung heißt es: "Die Beteiligungsgesellschaft begreift Publizität als Dialog mit der Öffentlichkeit." Doch obwohl die dritte ordentliche Hauptversammlung dieser gewerkschaftlichen Holding bereits am 14. Juni dieses Jahres stattfand, hat sie bisher keinerlei Anstrengungen unternommen, diesen Dialog zu beginnen und die selbst auferlegten Pflichten gegenüber der Öffentlichkeit zu erfüllen. Zu mehr als der – vom Gesetz zwingend vorgesehenen – Veröffentlichung der Bilanz im Bundesanzeiger mochten sich die Manager des Gewerkschaftskonzerns nicht durchringen.

Bis heute sucht man selbst in der Gewerkschaftspresse vergeblich nach einem erläuternden Bericht über die Tätigkeit dieser größten Gruppe gewerkschaftlicher Unternehmen, die immerhin vierzigtausend Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Mark erzielte. Auch wenn ihre bedeutendsten Töchter, die "Bank für Gemeinwirtschaft" und die "Neue Heimat", sich der Öffentlichkeit in vielfältiger Form präsentieren, so gibt sich die Holding ebenso wie in den beiden Vorjahren äußerst schweigsam. Die Hauptversammlungen finden in aller Stille statt. Die Geschäftsberichte werden nicht, wie sonst bei Großunternehmen üblich, an alle Interessenten verteilt.

Diese Schweigsamkeit wäre noch verständlich, wenn das Unternehmen die ihm von den im Deutschen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossenen Gewerkschaften gestellte Aufgabe nicht erfüllt hätte. Das Gegenteil ist aber der Fall. Ende 1974 gegründet, um die wirtschaftlichen Beteiligungen der Gewerkschaften unter einem Dach zusammenzufassen, ihre Arbeit zu rationalisieren und Steuern zu sparen, ist es der Holding inzwischen gelungen, alle wesentlichen Gewerkschaftsunternehmen zu einem horizontal gegliederten Konzern zu vereinen, in dem sie Leit- und Koordinierungsfunktionen wahrnimmt.

Nach dem gegenwärtigen Stand kontrolliert die BGAG acht Beteiligungen. Ihr Paradestück ist die "Bank für Gemeinwirtschaft" (BfG), an deren Grundkapital sie mit gut 37 Prozent beteiligt ist, nachdem es 1977 von 610 auf 750 Millionen Mark aufgestockt worden war. Dies? Kapitalerhöhung wurde allein von der BGAG zum Kurs von 250 Prozent übernommen, so daß sie dafür 350 Millionen Mark aufbringen mußte.

Keine Konzerngeheimnisse