Die Pflanzengeographie von Hamburgs neuem Botanischen Garten wurde um ein Prachtstück bereichert. Auf zweitausend Quadratmetern entstand für 220 000 Mark ein "Japan-Garten", ein wirklich stilechter Japanischer Garten, wie die Initiatoren des Projekts, Professor Udo Kristen vom Botanischen Institut der Universität und Japans Generalkonsul in Hamburg, Ryo Kawade, bei der Vorstellung mit nicht geringem Stolz betonten.

Europäische Gartenbaumeister bauen Japanische Gärten nicht alle Tage. So machten die Hamburger Gärtner, als sie anfangs allein buddelten, bauten und pflanzten, bei aller Liebe zum Projekt einige in japanischen Augen schwerwiegende Fehler. Die wurden nun, in den letzten zwei Monaten der zweijährigen Bauzeit, von der Hand eines berühmten Meisters aus dem Fernen Osten korrigiert. Generalkonsul Kawade, dem Projekt als einem "Symbol der Freundschaft zwischen Deutschland und Japan" von Anfang an zugetan, vermittelte nicht nur eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 80 000 Mark durch den "Japan World Exposition Commemorative Fund", er holte auch einen der besten Gartenarchitekten Japans nach Hamburg, Yoshikuni Araki aus Osaka.

Architekt Araki und seine beiden Helfer schufteten, wie die deutschen Mitarbeiter bezeugen, zwei Monate lang beinahe "Tag und Nacht und ohne Pause". Das Ergebnis ihrer Arbeit ist eine in dieser Art in Europa einzigartige Anlage, ein Zen-Meditationsgarten, streng gestaltet nach den Prinzipien der tausendjährigen japanischen Gartenbautradition. Der Generalkonsul machte dem Landsmann ein Kompliment: "Herr Araki verstand es meisterhaft, das echt japanische Wesen dieser Anlage hervorzuzaubern."

Hamburgs Japan-Garten stellt, so erläutert es Professor Udo Kristen, eine verkleinerte, auf das Wesentliche komprimierte Landschaft zwischen Gebirge und Meer dar. Das Gebirge im Norden, dargestellt durch einen stilisierten, mehrstufigen Wasserfall, geht über in eine Vorgebirgslandschaft mit Flußläufen und einer Quelle am Fuß der Berge und mündet in ein seenreiches Flachland, das schließlich am Meeresufer endet. Entsprechend dieser Gliederung ist die Vegetation angeordnet. Schwarzkiefern auf den Bergen, Azaleen an den Berghängen sowie Rhododendren, Eiben, Iris, Schwertlilien und Wasserpflanzen im Flachland bestimmen das Bild. Am Fuße der Berge befindet sich eine Meditationsplattform, von der aus der Besucher, sitzend oder hockend, sich in die Schönheit dieser Landschaft vertiefen kann.

Araki selbst sagt über seine Absichten bei der Gestaltung: "An den Hang des Hügels ließ ich Steine legen, und zwar so, daß der Besucher den Eindruck hat, ein ‚Karesansui‘ zu sehen, einen ehemaligen Flußlauf, in dem einst Wassermassen die Hänge hinab in die Tiefe stürzten. Durch die Kraft des Wassers wurden vom Oberlauf zum Unterlauf die Steine immer kleiner und gehen von kantigen in gerundete Formen über bis hin zum feinen Sand. Wenn Sie auf der Zen-Platform stehen und auf das ‚Karesansui‘ sehen, dann werden Sie durch das Wiegen der Bäume ein Geräusch vernehmen, welches bei Ihnen ein Gefühl erweckt, als ob Wasser durch das ausgetrocknete Flußtal strömt..." A. B.