Nach einem diesjährigen Kursanstieg um 10 Prozent wächst am deutschen Aktienmarkt die Furcht vor einem Rückschlag. Manche Banken raten ihrer Kundschaft, entweder Kursgewinne zu realisieren oder doch wenigstens ihre Aktienbestände durch Optionsgeschäfte abzusichern. Bisher ist es aber nicht gelungen, dem Optionshandel an deutschen Börsen eine breite Basis zu schaffen. Auch wenn er seit dem 1. April dieses Jahres vereinfacht worden ist, bleibt er dennoch für den Laien kompliziert.

Aktienbesitzer, die das Ende der gegenwärtigen Kursaufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt für erreicht halten und Kursrückschläge befürchten, haben drei Möglichkeiten, drohenden Verlusten aus dem Wege zu gehen:

1. Sie verkaufen ihre Aktien, realisieren so die inzwischen aufgelaufenen Kursgewinne und warten auf bessere Börsenzeiten. Diese Handlungsweise ist dann gerechtfertigt, wenn mit einer länger anhaltenden Baisse gerechnet wird, durch die der Besitz von Aktien auf längere Zeit uninteressant wird.

2. Sie kaufen eine Verkaufsoption. Für einen gewissen Preis sichern sie sich das Recht, jederzeit innerhalb der Optionsfrist Papiere zum sogenannten Basiskurs (stimmt in etwa mit dem Börsenkurs einer Aktie beim Abschluß des Optionsgeschäftes überein) verkaufen zu können. Damit werden Kursverluste auf den Optionspreis beschränkt.

3. Sie verkaufen eine Kaufoption. Dann müssen sie sich verpflichten, während der Optionsfrist die Aktien für den Käufer der Option zum Basiskurs zur Verfügung zu halten. Solche Geschäfte werden abgeschlossen, wenn während der Dauer der Optionsfrist mit einer Stagnation oder nur mit einer relativ geringen Kursveränderung der betreffenden Aktie gerechnet wird. Etwaige Kursverluste werden bis zur Höhe der Optionsprämie aufgefangen.

Das klingt alles recht kompliziert. Tatsächlich haben auch eingefleischte Börsianer gelegentlich Mühe, die vier Grundarten des Optionshandels (Kauf und Verkauf einer Kaufoption, Kauf und Verkauf einer Verkaufsoption) auseinanderzuhalten. Lassen Sie uns deshalb, meine verehrten Leser, heute beim Kauf einer Verkaufsoption und beim Verkauf einer Kaufoption bleiben.

Vorweg ist zu sagen, daß der Optionshandel nichts für Kleinstaktionäre ist; denn gehandelt werden müssen mindestens 50 Stück eines bestimmten Papiers oder ein Vielfaches davon. Nicht jede deutsche Aktie ist zum Terminhandel zugelassen.’ Voraussetzung, ist eine bestimmte Marktbreite. Derzeit sind 45 deutsche und 11 ausländische Aktien in den deutschen Optionshandel eingeführt.