Der Placebo-Effekt verblüfft seit vielen Jahren die Ärzte: Bei Versuchen verspürt stets etwa ein Drittel der unter Schmerzen leidenden Test-Patienten einen Rückgang ihrer Pein, obwohl sie – ohne ihr Wissen – nur eine wirkungslose Pille oder Spritze (also ein Placebo) verabreicht bekommen. Nun berichten Forscher von der University of California in der britischen Fachzeitschrift The Lancet über eine Entdeckung, die zumindest eine teilweise Erklärung des Phänomens anbietet. Schlüssel zum Placebo-Effekt sind offensichtlich die Endorphine, im Gehirn produzierte Peptid-Hormone mit opiatähnlicher Wirkung. Diese 1975 entdeckten Substanzen vermögen Schmerz zu lindern, indem sie sich an bestimmte Nervenzellen-Rezeptoren im Gehirn anlagern – Rezeptoren, an denen auch Gehirn und dessen Abkömmlinge Morphium und Heroin ihre schmerzstillende, und suchtmachende Wirkung ausüben. Die Kalifornier vermuteten, daß die Endorphine die Ursache für den Placebo-Effekt sein könnten, und warteten deshalb eine Studie mit Patienten, die an den Weisheitszähnen behandelt worden waren. Einigen Zahnkranken verabreichten die Forscher zur Schmerzlinderung Morphium, anderen nur ein Placebo. Wie erwartet, meldeten etwa 40 Prozent der Placebo-Patienten einen Schmerzrückgang. Diesen Testpersonen wurde dann Naloxon verabreicht, ein chemischer Gegenspieler der Opiate, der die Opiat-Rezeptoren im Gehirn blockiert – und prompt meldeten die betroffenen Patienten wieder heftigere Schmerzen: Die Endorphine konnten offensichtlich ihre lindernde "Placebo"-Wirkung nicht länger ausüben. GH