Beachtlich

"Stunde der Bewährung" von Ulu Grosbard sollte eigentlich Dustin Hoffmans Regie-Debüt werden. Er überließ dann seinem alten Freund Ulu Grosbard ("Wer war Harry Kellermann?" 1971) die Inszenierung und beschränkte sich auf seinen Darstellerpart: Als kleiner Ganove, der auf Bewährung aus dem Knast entlassen wird und, vergeblich, ins "normale" Leben zurückfinden will. Derart angestrengt versucht Grosbard alle sich bei dem Thema anbietenden Klischees (Freudianische Psychosermone, sentimentale Sozialthesen, publikumswirksame Thrills) zu vermeiden, daß bei dieser Verfilmung des Romans "No biest so fierce" von Edward Bunker beim Zuschauer das emotionelle Engagement ausbleibt. Was bleibt – dank Hoffmans brillantem Porträt eines Verlierers, dem die verpfuschte Vergangenheit fast zwangsläufig die Zukunft verbaut, und dank der exzellenten Interpretation in den Nebenrollen (Theresa Russell, Harry Dean Stanton, Garry Busey, M. Emmet Walsh) – sind präzis beobachtete Momentauflehnten vom low life in Los Angeles.

Helmut W. Banz

Ärgerlich

"12 Uhr nachts" von Alan Parker ist gewiß einer der brutalsten Filme der letzten Zeit. In einem türkischen Gefängnis begegnet ein junger Amerikaner, wegen Haschisch-Schmuggels zu einer absurd hohen Strafe verurteilt, so ausgepichten Sadismen, daß übliche Kino-Metzeleien dagegen ausgesprochen harmlos wirken. Der britische Regisseur Parker ("Bugsy Malone") bezieht sich auf einen authentischen Fall aus den frühen siebziger Jahren, doch sein hektisch-outrierter Naturalismus begnügt sich nicht mit einer dokumentarischen Rekonstruktion: Mit unerhörter Perfidie stellt Parker pauschal alle Türken als Schläger und Schlächter dar, identifiziert sich voll mit dem Haß seiner Hauptfigur. Hätte Veit Harlan diesen Film noch sehen können – er wäre glücklich gewesen. Hans C. Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

"Ausgeflippt" von Richard Benner. "Der Teufel möglicherweise" von Robert Bresson (siehe Seite 60). "Höhenkoller" von Mel Brooks. "Der kleine Godard" von Hellmuth Costard. "Pretty Baby" von Louis Malle. "Rheingold" von Niklaus Schilling. "Aus der Ferne sehe ich dieses Land" von Christian Ziewer.