Ob der Film "Aus der Ferne sehe ich dieses Land" gut ist, weiß ich nicht. Aber Luchterhand hat Antonio Skármetas Drehbuchstoff als Erzählung herausgebracht, und an diesem Buch stimmt fast nichts:

Antonio Skármeta: "Nixpassiert", aus dem chilenischen Spanisch von Monika López; Luchterhand Verlag, Darmstadt u. Neuwied; 82 S., 12,80 DM

Die Botschaft ist klar. Skármeta, der seit seiner Emigration aus Chile in Westberlin lebt, will auf das Terrorregime der illegalen Machthaber aufmerksam machen und zur Solidarität mit den Exil-Chilenen auffordern. Nur: so schafft man das nicht. Das Urteil "gut gemeint" drängt sich auf.

Die Jugendlichen von heute waren gerade erst in die Schule gekommen, als Allende vor fünf Jahren ermordet wurde. Es ist fahrlässig, einfach vorauszusetzen, daß den Lesern sein Name, seine Politik eines demokratischen Sozialismus und sein Schicksal geläufig seien. Dieses Buch erklärt fast nichts. Es gebraucht Vokabeln wie Faschismus und Militärputsch und sagt nicht, was sie bedeuten. Allende war gut, Pinochet ist böse: peng. Die Frage nach dem Warum bleibt ausgespart.

Daß Antonio Skármeta den vierzehnjährigen Lucho diese Geschichte erzählen läßt, ist ein legitimer Trick, aber er trifft die Sprache eines Vierzehnjährigen nicht. Monika López‘ Übersetzung gibt der Erzählung den Rest. ("Sophies Wimpern waren die Falschheit in Person." – "Auf der Brücke, kam es mir vor, als bewegte sich jemand." – "Ich fahr hin, weil, im Vertrauen gesagt, ich arbeite.")

Lucho hört auf den Spitznamen "Nixpassiert" und ist ein Wunderkind. Ein hellsichtiger Lehrer hat ihm bereits das Zeug zum Schriftsteller attestiert, also sondert er auch allerlei Kluges ab: "Meiner Meinung nach haben die Philosophen recht, die sagen, die Liebe ist nicht nur eine Angelegenheit des Äußeren." Aber da ein gesunder Geist natürlich nur in einem gesunden Körper wohnen kann, ist Lucho auch ein begnadeter Fußballer. Selbstredend Libero, was denn sonst, ein besonders harter noch dazu, der jedesmal, wenn er einen Gegner gefällt hat, "Nix passiert!" ruft. (Drum.)

Die Liebe zum Fußball gipfelt in dem schlimmen Satz: "In meiner Familie sind alle für Hertha und gegen den Faschismus." Und wenn unser Libero noch so sehr für den deutschen Nationalkeeper schwärmt, der Autor weiß nicht einmal dessen Namen zu schreiben ("Mayer").