DIE ZEIT

Im Gegenwind

Seit es sie gibt, träumen britische Premierminister davon, ihre Partei zur natürlichen Regierungskraft im Lande erheben zu können, eine Machtdauer zu erreichen, die nur durch große Widrigkeiten und auch dann höchstens kurzfristig unterbrochen wird.

Gestern versagt, heute ein Held

Nun liegen die Amerikaner plötzlich ein völlig neues Carter-Gefühl. Die Meinungsforscher weisen es auf Punkt und Komma nach: In den letzten zwei Wochen hat jeder dritte Amerikaner seine Ansichten über den Präsidenten zum Besseren geändert.

Alle hoffen auf Hessen

Geht Hessen den Sozialdemokraten verloren, so lautete im Frühjahr ein gängiges Krisen-Szenario für den kommenden Wahlsonntag, dann ist der Verfall der Bonner sozial-liberalen Koalition unaufhaltsam: Entweder sei dem Bundeskanzler das Regieren verwehrt, weil die Zweidrittelmehrheit der Unionsparteien im Bundesrat zur totalen Gesetzesblockade übergeht; oder Hans-Dietrich Genscher tritt zurück, und die Freien Demokraten verlassen in ihren Todesängsten das Kabinett Schmidt, weil die Liberalen auch in Hessen an der Fünf-Prozent-Grenze scheitern.

Grenzen des Rechts

Bundesjustizminister Vogel nannte jüngst eine ganze Reihe von Karlsruher Entscheidungen, an denen deutlich werde, daß das Bundesverfassungsgericht "sein Wertverständnis oder seine Wertinterpretation mit der Behauptung, es sei die des Grundgesetzes, an die Stelle des Wertverständnisses oder der Wertinterpretation des Gesetzgebers gesetzt" habe.

Zeitspiegel

Prinz Sihanouk, nacheinander König und Staatschef von Kambodscha, seit der Machtübernahme der Kommunisten und seiner Rückkehr aus dem Pekinger Exil oft totgesagt, hat sich bei einem Bankett in der Hauptstadt Phnom Penh zum erstenmal seit zweieinhalb Jahren wieder öffentlich gezeigt.

Worte der Woche

"Diese vom CSU-Vorsitzenden Strauß beabsichtigte Sprengung des deutschen Parteiensystems kann die Bundesrepublik in den Zustand der Staaten hineinführen, die wegen zu vieler Parteien nur schwer regierbar sind.

Kreuz mit den Hochschulen

Wen dieser Tage sein Weg zur geschmackvoll, beinahe kostbar eingerichteten Mensa der Bundeswehrhochschule Hamburg-Wandsbek führte, der kam an einer Grabstätte vorbei mit der Aufschrift: "Hier ruhen die Hoffnungen des Stjg.

Ein Fremder starb im Vatikan

Das "Wunder" – des Glaubens liebstes, aber auch störrischstes Kind, wird es sich wiederholen? Ende August hatte es die katholische Kirche, ja sogar die ungläubige Welt mit einem Papst überrascht, der die meisten Schablonen, die dieses Amt in Jahrhunderten prägte, nicht etwa verwarf oder anpaßte, sondern einfach liegen ließ.

Abschied von der Kulturrevolution

Niemand hatte sie erwartet. Soldaten der "Truppe 8341", der Pekinger Leibgarde, die von Maos ehemaligem Leibwächter Wang Tung-hsing kommandiert wurde, verhafteten Maos Witwe, vier Wochen nach dem Tode des Großen Vorsitzenden.

Vor den nächsten Hürden

Das Szenario ist kein Phantasieprodukt: In der festgelegten Frist von drei Monaten werden Israel und Ägypten den in Camp David in groben Zügen entworfenen Friedensvertrag unterzeichnen.

Netos Flirt

Erstaunlich gelassen hat der wichtigste und am stärksten betroffene Nachbar die südafrikanischen Entscheidungen zu Namibia kommentiert: Angola ist nicht bereit, seinen auf Entspannung und Unabhängigkeit gerichteten Kurs zu revidieren.

Franzosen kehren nach Genf zurück

Wegen der angeblichen Übermacht der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die gleichzeitig den Vorsitz in dem in Genf ragenden Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen innehatten, untersagte Charles de Gaulle nach seinem Amtsantritt 1958 der französischen Delegation die weitere Teilnahme an den Verhandlungen.

Mit Goldrand und Trauerflor

Wieviel Kugeln bei der Ost- und Deutschlandpolitik im Spiel sein können, hat sich gerade in diesen Tagen wieder gezeigt. Herbert Wehner wird die Absicht zugeschrieben, dem im Mai geschlossenen langfristigen Wirtschaftsabkommen mit Moskau die höheren Weihen der parlamentarischen Ratifikation zu geben.

Streiks und Straßenkämpfe

Der von der iranischen Oppositionspartei Nationale Front und einigen Religionsführern ausgerufene Generalstreik wird trotz einer Warnung der Kriegsrechts-Behörden in weiten Teilen der iranischen Hauptstadt noch immer befolgt.

Kapitalhilfe

Im Mittelpunkt der Bonner Gespräche Numeiris stehen die Situation in Afrika und die Friedensaussichten im Nahen Osten. Die Gespräche erhalten dadurch besonderes Gewicht, daß Numeiri zur Zeit Vorsitzender der Organisation für afrikanische Einheit (OAU) ist.

Radikalenerlaß als Wahlkampfthema

Der CDU-Parteivorsitzende Helmut Kohl hat noch vor der Landtagswahl in Hessen eine Erklärung des hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner zur Frage der Beschäftigung von Radikalen im öffentlichen Dienst gefordert.

Andrej Gromyko: Kantiger Kummerkasten aus Weißrußland: Der Welt-Bürger im Kreml

Wie Buster Keaton im Stummfilm, so hat der Agronom und Diplomat Andrej Gromyko die Nachkriegsepochen und die sowjetische Außenpolitik begleitet: mit Leichenbittermine, den Homburger bisweilen wie einen Südwester ins Gesicht gezogen, den Mund depressiv verzogen, den Oberkörper leicht verkrampft, als ließe ihn sein tiefgefrorener Erfahrungsschatz frösteln.

Abrüstung: Zahlt Europa den Preis?

Zwei Jahre nach Präsident Carters Einzug ins Weiße Haus, nach mehr als fünf Jahren zähen Verhandelns, scheint eine Übereinkunft zwischen Moskau und Washington über die umfassende Begrenzung der strategischen Rüstungen beider Weltmächte unterschriftsreif zu sein.

Wie aus Recht Unrecht wird

In der Pariser Santé liegt, unheilbar an Lungenkrebs erkrankt, ein alter Herr. Theodor Kroliczek hat sein halbes Leben in Frankreich verbracht, er spricht wie seine Frau französisch, er hat unter den französischen Freunden die Reputation des Widerstandskämpfers gegen den Faschismus, der französischen Résistance.

Deutsches Vermächtnis

Am 3. Oktober 1978 wäre Adolf Reichwein 80 Jahre alt geworden. In diesen Tagen ehrt das Berliner Museum für Deutsche Volkskunde den Wissenschaftler, Pädagogen und Widerstandskämpfer durch eine Gedächtnisausstellung.

Wie jedermann

Den Ausbildungsreferenten der evangelischen Landeskirche von Kurhessen und Waldeck (Kassel) plagt das Triebleben seiner Theologiestudenten.

In akuter Lebensgefahr

Der Fall Rolf Mainz nach zwei Jahren: Ein kranker Mann, festgehalten in der Strafanstalt Brandenburg

Kurzer Daumen, keine Lehre

Als die Frauen begannen, sich jenseits ihrer angestammten traditionellen Beschäftigungsbereiche in angeblichen "Männerberufen" zu etablieren, stießen sie auf die eigenartigsten Abwehrreaktionen und -argumentationen.

Die letzte Masche

Einen Umweltskandal höheren Ranges in Rheinfelden" befürchtet SPD-Stadtrat Rudolf Schlaf. Und Oberbürgermeister Herbert King stöhnt am Telephon: "Ich kann das Wort Autobahn nicht mehr hören!" Die beiden Kommunalpolitiker erhitzen sich über ein 15 Jahre altes Projekt, das nun langsam real wird.

Die Kurve gekratzt

Hätten sie sie nicht gerade abgeschafft, dann müßten sie jetzt eine anschaffen – eine Straßenbahn. Mit soviel Anhänglichkeit, soviel Liebe, soviel Gefühl nahmen die Hamburger am letzten Wochenende Abschied von den letzten vierschrötigen Exemplaren ihrer alten Tram, daß wir gerührt einstimmen in den Nachruf auf die nun zu verschrottende selige Elektrische: Ein schöneres, beliebteres, liebenswerteres Vehikel hat es auf Hamburgs Straßen nie gegeben und wird es nie mehr geben.

Was ist alternativ?

Wer soll die Welt verbessern, wenn es nicht die Menschen tun!" Der junge Mann legt seine Stirn in Kummerfalten. Er sieht aus wie viele andere auch, die sich zu Hunderten am vergangenen Wochenende in der Hamburger Markthalle eingefunden hatten: Zottelbart und schulterlange Haare, verwaschene Jeans und vergilbtes T-Shirt, den angestaubten Leinenbeutel über die Schulter und die gelb-rote Antiatomplakette.

Schwindelnd auf den Gipfel

Der Oktober begann in den deutschen Börsensälen mit einem Paukenschlag. Ein eher bescheidener Schub von Kaufaufträgen aus der Schweiz führte bei den Aktien zu.

Man trägt wieder Optimismus

Noch vor wenigen Monaten gaben sie den Ton an. Heute mag kaum noch jemand auf sie hören: die Pessimisten, für die eine langanhaltende Stagnation der Wirtschaft eine ausgemachte Sache ist.

Bonner Kulisse

Ein reges Kommen und Gehen herrscht beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, ohne daß indes klar ersichtlich wäre, daß dieser bedeutsame Bankenverband dadurch politisch schlagkräftiger, attraktiver und einflußreicher würde.

Veto aus dem Elfenbeinturm

Gegen eine Gebühr von 100 000 Mark ließen sich die Deutsche BP AG und die Veba AG bescheinigen, was sie ohnehin vermutet hatten: Das Kartellamt stimmt dem geplanten Verkauf der Ruhrgas-Schachtel an die BP nicht zu.

O Schreck

Darüber, daß das neue Mitbestimmungsgesetz voller Tücken und Gefahren steckt, unbefriedigend und schlecht durchdacht ist, hören wir fast täglich neue Klagen – mal aus dem Munde von Unternehmern, mal aus Gewerkschaftskreisen.

Maulkorb

Der Europäische Gerichtshof hat der EG-Kommission einen Maulkorb umgehängt. So jedenfalls versteht man in Brüssel eine Bemerkung der Luxemburger Richter dazu, wie die Kommission die Öffentlichkeit über ihre Arbeit in Wettbewerbssachen unterrichtet.

Der Star

So tief haben deutsche Touristen, die ihren Urlaub in der Schweiz verbringen wollen, noch nie in die Tasche greifen müssen wie in der letzten Woche.

Exportieren statt lamentieren

George Washington schaut mit Recht so säuerlich von der Vorderseite der Ein-Dollar-Note auf die jeweiligen Besitzer. Der Wert des grünlichen Papiers, das mit dem Antlitz des ersten amerikanischen Präsidenten bebildert ist, scheint mit einer Schnelligkeit zu sinken, die umgekehrt proportional ist zur Häufigkeit der Vertrauenserklärungen, die Politiker, Zentralbankiers und sonstige Offiziellen bei Tagungen des Währungsfonds und anderen hochfestlichen Gelegenheiten zugunsten des Dollars abgeben.

Ein schweigsamer Riese

Es hört sich vielversprechend an: "Gegenüber der Öffentlichkeit erfüllt sie Informationspflichten." So steht es im Geschäftsbericht 1977 der "Beteiligungsgesellschaft Gemeinwirtschaft AG" (BGAG).

Zeitraffer

Freizeit scheint das Zauberwort der ausgehenden siebziger Jahre zu werden. Eugen Loderer, Vorsitzender der IG Metall, rechnet damit, daß die Verkürzung der Arbeitszeit im Vordergrund der Lohnrunden 1979 stehen wird.

Maßstab für Wohlstand: Das tägliche Brot

Nicht dem geht es gut, der viel für sein leibliches Wohl ausgibt. Das Gegenteil ist der Fall: Je höher der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genußmittel an den gesamten Verbrauchsausgaben, um so größer die Armut.

Streit wäre katastrophal

Lucy: Ich selbst bin Betriebsratsvorsitzender im Werk Mannheim und auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender in der Daimler-Benz AG.

Manager und Märkte

Der Streit darüber, wer im Gerling-Konzern künftig das Sagen hat, versackt immer tiefer in die juristischen Abgründe. Mit jeder nur denkbaren Spitzfindigkeit bekämpfen sich gegenwärtig Hans Gerling und – indirekt – das Haus Flick.

VW weiterhin "billigste" Aktie

Unserer Tabelle "Deutsche Aktien" ist unschwer zu entnehmen, daß am Ende des dritten Quartals die meisten deutschen Aktien entweder zum Jahreshöchstkurs oder doch nur unwesentlich niedriger notierten.

Eine Versicherung gegen Kursverluste

Nach einem diesjährigen Kursanstieg um 10 Prozent wächst am deutschen Aktienmarkt die Furcht vor einem Rückschlag. Manche Banken raten ihrer Kundschaft, entweder Kursgewinne zu realisieren oder doch wenigstens ihre Aktienbestände durch Optionsgeschäfte abzusichern.

Fixsterne für Verbraucher

Sie zieren Blechdosen und Pappschachteln, Rechnungen und Einwickelpapier, Tüten und Töpfe, Visitenkarten, Bücher und Schaufenster ebenso wie Flugzeuge und Autos, Edelbekleidung, Freizeitkluft und sogar ganze Gebäude: Markenzeichen.

...auf allen Straßen

Zu Beginn dieses Jahres wollte der Indonesische Dienst der Deutschen Welle von seinen Hörern wissen, welches deutsche Industrieprodukt nach Meinung der indonesischen Hörer das bekannteste sei.

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